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Millionen Rheinländer sind heiß auf Schnee

Vor zehn Jahren herrschte vor Ort große Skepsis. Eine Halle mit Schnee zum Skilaufen? Ist das nicht zu teuer? Zieht so etwas Skifahrer an? Heute ist die "Jever Skihalle" in Neuss-Grefrath eine unendliche Erfolgsgeschichte. Über eine Million Besucher kommen im Jahr, viele fahren bis zu einer Stunde mit dem Auto zu einer ehemaligen Mülldeponie, um in der darauf errichteten Halle mit einer 300 Meter langen und bis zu 100 Meter breiten Skipiste einen Winterurlaub zu erleben. Für die Neusser Stadtspitze hat sich die rasche und unbürokratische Unterstützung des Projektes gelohnt. Heute ist die Skihalle ein bundesweit bekanntes Aushängeschild für die alte Römerstadt am Rhein.

Die "Jever Skihalle" ist ein wunderbares Beispiel für eine starke Idee, gepaart mit Begeisterung und Erfahrung sowie unternehmerischer Initiative. 2001 hatten Johannes Janz und August Pollen den Mut und die Vision zu dieser Skihalle. Und sie sind nie stehen geblieben. Die Skihalle wurde von Anfang an mit Gastronomie, Verleih, Skischule und Fachhandel abgerundet. Inzwischen gehören ein Kletterpark und das Sport- und Tagungshotel "Fire & Ice" zur Skihalle und komplettieren somit das "allrounder mountain resort". Im Jahr 2011 kam eine kleinere, hundert Meter lange, 40 Meter breite Piste hinzu, auf der speziell Kinder und Anfänger trainieren können. Und von der Skihalle in Neuss gehen Impulse weit in die Region aus. So richtet allrounder als Initiator und Veranstalter den FIS Weltcup der Skilangläufer in Düsseldorf aus und präpariert zudem die Strecke seit 2002 mit 3000 bis 4000 Kubikmeter Schnee jährlich.

Die beiden Männer, die hinter der Idee der Skihalle und ihrer Verwirklichung stehen, sind begeisterte Skifahrer und Alpinisten – stammen aber vom Niederrhein. Johannes Janz und August Pollen, 48 und 47 Jahre alt, sind gebürtige Nettetaler. Die Berge waren Liebe auf den ersten Blick. Mit zehn, zwölf Jahren begnügten sie sich noch mit Wandern, mit 15,16 fingen sie mit dem Bergsteigen an. Und da sie die einzigen Bergsteiger aus dem flachländlichen Nettetal waren, lernte man sich kennen und tat sich zusammen. Nach dem Abitur ging es erst richtig los. Als Skilehrer und Bergführer finanzierten sie ihr Studium der Betriebswirtschaft an der Fachhochschule in Mönchengladbach. Sie machten ihr Hobby einfach zum Beruf. 1987 gründeten sie den Skireisespezialisten "Allrounder Reisen und Sport" . Die Anfänge als GbR gingen noch vom Wohnzimmer der Eltern aus, 1990 wurde das Reisebüro in eine GmbH umgewandelt und das erste Büro in Mönchengladbach gemietet. Hinzu kamen – natürlich – eine eigene Skischule und 1993 das von Ralf Kühlkamp geleitete Sportgeschäft. Als Werbeaktion verfielen sie auf die Idee, die leicht abschüssige Haupt-Einkaufsstraße, die Hindenburgstraße, in der Mönchengladbacher Innenstadt in eine Skipiste zu verwandeln. Johannes Janz erinnert sich, dass man ihnen oft gesagt habe: "Ihr seid wahnsinnig". Nicht alle fanden den Event "total bescheuert", mit 250.000 Zuschauern wurde die Eröffnung ein Riesenvolksfest. Das war die Initialzündung für die Skihalle. Aus einem temporären Event einen Ort zu machen, an dem man an 365 Tagen im Jahr im Flachland Ski fahren kann. Sie fanden in Bernd, Michael, Eugen und Klaus Viehof von der Vibro-Beteiligungs GmbH in Mönchengladbach begeisterte Mitstreiter und Finanziers. Eugen Viehof hatte die Allkauf-Kette 1998 an die Metro verkauft und den Erlös in die Vibro-Beteiligungs GmbH seiner vier Söhne gesteckt. In Mönchengladbach und Krefeld schaute man sich nach geeigneten Flächen um – und fand sie in Neuss. Im Rathaus fand man die Idee "so wahnsinnig", dass man gerne dabei sein wollte. Auf der ehemaligen Mülldeponie in Grefrath wurde die Skihalle auf einzeln verstellbaren Stelzen errichtet, um im bislang noch nicht aufgetretenen Bedarfsfall von Setzungen Anpassungen vornehmen zu können. Nach rund zwei Jahren Planung und neun Monaten Bauzeit wurde dann im Januar 2001 die bundesweit erste deutsche Skihalle eröffnet.

Das erste Mal in der Zeitung waren die beiden Gründer allerdings nicht mit der Skihalle in Neuss, sondern weil sie als Schüler auf einer Skitour mit ihrem Lateinlehrer im Engadin in einen Schneesturm gerieten und eine Woche lang verschollen waren. Das hat ihrer Begeisterung für Schnee und Berge keinen Abbruch getan. Janz und Pollen waren zehn Jahre als Skilehrer in den Alpen unterwegs. Sie kennen sich in den Hütten und Hotels der Alpenländer aus und wissen genau, was die Gäste wünschen, was geht und was nicht. Die Erfahrungen sind in die Gastronomie der Skihalle eingeflossen. Mit viel Liebe zum Detail und sicherem Stilgefühl entstand eine künstliche Hüttenwelt, die aber nicht als Disneyworld daherkommt, sondern authentisch wirkt. So sind die echten Schindeln im Dach des Restaurants Salzburger Hochalm 300 Jahre alt. Und den Gästen gefällt's. Nur 7 bis 8 Prozent in der Bevölkerung betreiben aktiv Wintersport. Aber alpenländische Gastronomie hat bei einem viel größeren Kreis Anziehungskraft. Sie schafft Wohlfühlatmosphäre und weckt Urlaubserinnerungen. Wenn im allrounder mountain resort Almabtrieb oder Oktoberfest gefeiert wird, erscheinen 80 Prozent der Gäste in Trachten.

Zur Authentizität trägt auch die langjährige Partnerschaft mit dem Salzburger Land bei. Während einige österreichische Wintergebiete die Skihalle zunächst als Konkurrenz ansahen, erkannten die Salzburger frühzeitig das Potential dieser Idee. Dort konnte nicht nur der Nachwuchs herangebildet werden, sondern die Vermarktung direkt vor Ort in ein wichtiges Ballungsgebiet gebracht werden. Neuester Clou ist das Tagungshotel "Fire & Ice", das im September 2011 eröffnet wurde. Das 4-Sterne-Superior Hotel für zwölf Millionen Euro ist gut frequentiert. Es ist eben ein Tagungshotel der besonderen Art. Die Zimmer sind nach unterschiedlichen Bergregionen und Mottos eingerichtet. In Kooperation mit Willi Bogner zieht sich das Konzept aus Feuer und Eis durchs Gestaltungskonzept. Im Frühstücksrestaurant mit Blick auf die Skipiste lodert ein Kamin, an der Bar sind die Bierzapfhähne dick von echtem Eis ummantelt, an den Decken hängen Hirschgeweihleuchter. Die Möbel aus Holz sind individuell angefertigt, an den Wänden hängen Fotomotive von Willi Bogner. So werden zu den vielen Prominenten, die Skihalle oder Gastronomie besucht haben, noch viele neue hinzukommen. Etwa Kabarettist Dieter Nuhr, der mit seiner Tochter einen Snowboardkurs absolvierte. Jürgen Drews, Michael Wendler und DJ Ötzi traten auf den Party-Events auf. Auch André Agassi schaute bereits aus Neugier einmal spontan vorbei. Und natürlich zählten zu den über zehn Millionen Gästen in elf Jahren auch viele Wintersportler wie Skispringer Dieter Thoma und Sven Hannawald, Rodler Georg Hackl und natürlich Rosi Mittermaier und Christian Neureuther sowie Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle.

 

allrounder mountain resort GmbH & Co. KG
An der Skihalle 1
41472 Neuss

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