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Alstom Grid – damit der Strom sicher aus der Steckdose kommt

Was ist die größte Überraschung für den Besucher im Alstom Grid-Werk in Mönchengladbach? Beeindruckt ihn die über hundertjährige Standortgeschichte mit der wechselvollen Firmengeschichte? Die jahrelange Marktstellung als größter Ausrüster mit Transformatoren deutscher Kraftwerke? Oder ist es die nicht erwartete Holzwerkstatt? Denn mit einem hohen Anteil an Handarbeit werden die aufgewickelten Kupferleitungen der Transformatoren mit Holzfolien isoliert. Ist es die hohe Versuchshalle mit den künstlichen Blitzen? Oder die Tatsache, dass Alstom auch in Krisenzeiten volle Auftragsbücher hat, denn Energie treibt alles an?

Wenn wir in den Medien hören, dass in Deutschland das Stromnetz ausgebaut werden muss, dann ist auch Alstom Grid im Spiel. Denn am Produktionsstandort des französischen Weltkonzerns in Mönchengladbach werden seit über 100 Jahren Transformatoren gebaut. Transformatoren braucht man für jede Art der Stromübertragung. Kleine Jungen kennen den Trafo von ihrer Modelleisenbahn, mit dem die Haushaltsspannung verringert wird. Bei den großen Überlandleitungen mit hohen Spannungen und Verlusten auf langen Entfernungen sorgen Transformatoren für konstante Spannungen im deutschen Leitungsnetz. Hierzulande verfügen wir über eine hohe Netzstabilität. Flächendeckende Stromausfälle wie in amerikanischen Städten sind bei uns eher unwahrscheinlich. Wenn jetzt über Stromnetze bei uns diskutiert wird, geht es um anderes: Bisher waren die Kraftwerke und die Hauptabnahmegebiete gut miteinander verbunden. In den 1960er/70er Jahren wurde die Leitungen vom Erzeuger zum Verbraucher errichtet, von der Steinkohle im Ruhrgebiet, der Braunkohle in der Kölner Bucht oder den AKWs in der Rhein-Main-Schiene zu den Industriegebieten und Städten. Der Energiewandel bedeutet eine Richtungsänderung. An der Küste sollen Offshore-Windparks entstehen. In der Küstenregion gibt es aber nur eine geringe Stromnachfrage. Die herrscht eher in den Industrieregionen Süddeutschlands. Das jetzige Stromnetz ist nicht darauf vorbereitet. Von Nord nach Süd gibt es kein effizientes Übertragungsnetz.

Der Atomausstieg und die Energiewende betreffen auch die Mönchengladbacher. Sie können Transformatoren für neue Stromleitungen bauen, ebenso für neue Kraftwerke bis hin zu Blockheizkraftwerken. Überall, wo es um Stromübertragung geht, ist Alstom im Spiel. Zu den größten Kunden zählen E.ON, RWE, aber auch die Bahn, die ein eigenes Stromnetz unterhält. Der erste Trafo aus Gladbach wurde 1904 gebaut. Max Schorch hatte 1884 in Rheydt eine Fabrik für Elektromotoren, Dynamomaschinen, Bogenlampen und elektrischem Isolationsmaterial für die Textilindustrie gegründet. Der Standort Mönchengladbach an der Rheinstraße hat eine wechselvolle Geschichte. 1925 wurde das Werk in eine AG umgewandelt und zum Ende des Zweiten Welkrieges zerstört. Im Jahre 1959 ging die Fabrik in der Continental Elektroindustrie AG auf und wurde 1990 schließlich ein AEG-Tochterunternehmen. 1994 wurde die komplette Sparte für Stromübertragung und Verteilung von AEG an Alstom verkauft, dann gehörte das Werk 2004 zum französischen Konzern Areva. Im Sommer 2010 kam der Bereich Stromübertragung wieder zu Alstom, selbstständig als Konzernbereich Alstom Grid, der englische Begriff für Netz. 2008 wurden 16 Millionen Euro unter anderem in eine neue Fertigungshalle investiert, die Kapazität wurde damit verdreifacht. Im Mönchengladbacher Ex-Schorch-Werk sind wieder bis zu 400 Mitarbeiter in zwei Schichten beschäftigt. Vor der Übernahme durch Areva war die Belegschaft auf rund 200 reduziert worden. Heute werden bis zu 120 Transformatoren jährlich gefertigt. Jeder vierte Transformator in Deutschland stammt von Alstom Grid in Mönchengladbach.

Das Werk hat seinen Platz am Markt behauptet und ausgebaut. Die Produkte sind bekannt und geschätzt. In zehn Jahren wurde mehr als 1000 Transformatoren mit einer Gesamtleistung von mehr als 100.000 MVA produziert. Beim Nachfrageboom von 2008 bis 2010 war Alstom Hauptlieferant für die deutschen Kraftwerke. E.ON bestellte für das neue Kraftwerk in Datteln ebenso Transformatoren aus Gladbach wie RWE für Lingen (Gas) und Weisweiler (Braunkohle). Im Konzernverbund beliefert das Werk am Niederrhein den deutschen und französischen Markt, ebenso den Nahen und Mittleren Osten. Gerade ging aus dem Irak ein großer Auftrag ein. Aufgrund des hohen Gewichts von Transformatoren bietet sich eine standortnahe Fertigung an.

Trotzdem werden vor allem das Know-how und die Wertarbeit aus Deutschland geschätzt. Jeder Transformator ist ein Unikat, zugeschnitten auf seinen Einsatzort und seine Aufgabe. Die Herstellung zieht sich über mehrere Monate. Damit ist immer noch viel Handarbeit verbunden, für die man erfahrene Mitarbeiter braucht. In Mönchengladbach gibt es ausschließlich Facharbeiter. Die Erfahrung gerade der Wickler ist nicht zu ersetzen. In erster Linie sind es die Mitarbeiter, die Pünktlichkeit und Liefertreue zu nahezu 100 Prozent erreichen – ein Spitzenwert.

Die fertigen Transformatoren werden mit Schwerlastern über Landstraßen und die Autobahn zum Beispiel zum Duisburger Hafen transportiert – und machen an ihren Einsatzorten die Stromversorgung in Europa jedesmal ein Stückchen sicherer. Aber auch sozial ist Alstom in Deutschland führend: Die Schwerbehindertenquote im Unternehmen liegt bei 6,4 Prozent, für die gehörlosen Mitarbeiter werden eigens Workshops durchgeführt.

 

ALSTOM Grid GmbH, Bereich Schorch Transformatoren
Werksleiter Dr. Jochen Schwarz
Rheinstraße 73
41065 Mönchengladbach

Tel.: 02161 944 0

www.alstom.de