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Alu Norf – Der Riese im Neusser Süden

Es ist ein lustiges Spiel, das Kindern die Zeit, etwa bei längeren Autofahrten, vertreiben kann. Man sagt den ersten Teil eines Wortes, und der Rater muss es passend beenden. Beispiele: Apfel? Baum. Küchen? Gerät. Hand? Tuch. Wenn man dieses Spiel mit Hamburgern oder Münchnern spielt, kommen auf die Vorgabe „Alu“ sicher Antworten wie „Leiter“ oder „Felge“. Neusser dagegen dürften schnell dieses Wort im Kopf haben: Alunorf. Es mag etwas poetisch klingen, doch übertrieben ist es nicht, wenn man die Geschäftsführer der Aluminium Norf GmbH als Herrscher über eines der beeindruckendsten Industrie-Reiche des Landes bezeichnet. Der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Geupel, seit mehr als 20 Jahren im Amt, ist gemeinsam mit seinem Technik-Kollegen Stefan Erdmann für den reibungslosen Ablauf bei Alunorf zuständig. Das Walz- und Schmelzwerk ist der mit Abstand größte Standort dieser Art – weltweit. Auf dem riesigen Areal im Neusser Süden arbeiten 2300 Menschen.

Die Produktion läuft rund um die Uhr an 360 Tagen im Jahr. Der jährliche Absatz liegt bei 1,5 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Der europäische Gesamtmarkt beträgt fünf Millionen Tonnen. Gewaltige Coils, aufgewickelte Alubänder, verlassen Tag für Tag das Werk. Sie dienen als Ausgangsmaterial für die verschiedensten Produkte. „Wir schicken Getränkebänder bis nach Venezuela und Saudi-Arabien“, erzählt Thomas Geupel. Dort werden die Bänder zu Dosen. Wer eine Zeitung aufschlägt, ob in Rio, New York oder Tokyo, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Printprodukt in der Hand, das mit Hilfe aus Norf hergestellt wurde. Denn auch Druckplatten bestehen als Alu. Das Auto ist ein weiteres prominentes Beispiel für die Unverzichtbarkeit des Leichtmetalls. Das Gleiche gilt für das große Thema Verpackungen. „Und warum die Eisenbahn noch immer Eisenbahn heißt, ist mir ein Rätsel“, sagt der Geschäftsführer, „Alubahn wäre heutzutage treffender“.

Unter Branchenkennern (und Neussern) ist Alunorf ein Begriff. Der Neusser Stadtteil Norf, bis Mitte der 70er-Jahre eine eigenständige Gemeinde, ist damit auch Fachleuten in China, Brasilien oder den USA bekannt. Doch schon mancher Anwohner des Werks, wisse nicht genau, was in seiner Nachbarschaft eigentlich passiere, erzählt Thomas Geupel. „Wir sind ein heimlicher Riese.“ Das liegt nicht zuletzt daran, dass auf den Endprodukten Mercedes, Fuji, Coca-Cola oder Iglo steht und eben nicht Alunorf. Die GmbH am Rheinufer kümmert sich allein um die Herstellung. Den Vertrieb übernehmen ihre beiden Gesellschafter, die zugleich die einzigen Kunden sind: die Hydro Aluminium Rolled Products und ihr Mitbewerber Novelis. „So bekommen wir unsere Aufträge aus Grevenbroich, wo Hydro sitzt, und aus Göttingen von Novelis“, erklärt der kaufmännische Geschäftsführer. Weil Hydro außer in Grevenbroich auch direkt neben Alunorf ein Werk betreibt, spricht die Branche von einem „magischen Dreieck des Aluminiums“. Dieser Verbund steht nicht zuletzt für 5.000 Arbeitsplätze im Rhein-Kreis Neuss. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 25.000 Menschen in der Region vom Aluminium leben.
Besonders stolz ist Thomas Geupel auf die hohen Sicherheitsstandards in „seinem“ Unternehmen, in dem praktisch in jeder Sekunde mit heißem und schwerem Material gearbeitet wird. „Im vergangenen Jahr gab es nur einen einzigen Unfall mit anschließender kurzzeitiger Arbeitsunfähigkeit“, erzählt der gebürtige Oberfranke, „damit sind wir in unserer Berufsgenossenschaft Spitze“. Alunorf ist ein energieintensiver Betrieb, aber alle Abläufe werden ständig verbessert, um mit höherer Effizienz und Produktivität weniger Energie einzusetzen. Immer wieder hebt Thomas Geupel die Nachhaltigkeit von Aluminium hervor. „Unter anderem wird durch seine Leichtigkeit jede Menge Kraftstoff eingespart.“ Und: Beim Recycling müssen nur fünf Prozent der ursprünglich nötigen Energie eingesetzt werden.

Aluminium Norf GmbH
Koblenzer Straße 120
41468 Neuss
 
Telefon: 02131/937 0
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Stand 2016