Chemie





Hier stimmt die Chemie

Wund gescheuerte Babypopos in nassen Windeln gehören der Vergangenheit an, seit in Krefeld der Superabsorber Favor entwickelt wurde und produziert wird. Ebenfalls vom Niederrhein aus haben CDs und DVDs ihren Siegeszug um die Welt angetreten – hergestellt aus Makrolon, dessen Zusammensetzung Chemiker in Uerdingen ausgetüftelt haben. Der Kunststoff ist vielseitig einsetzbar: auf dem Dach des Berliner Olympiastadions wie des Krefelder Hauptbahnhofs, in Radrennfahrerbrillen wie Autoscheinwerfern, in Kaffeemaschinen wie Handygehäusen. Die Entwicklungen gehen weiter: Firesorb für das Löschen von Waldbränden oder Xenon als Narkosegas. Der Erfindergeist ist auch am Niederrein zuhause.

Forschung und Entwicklung waren von Anfang an das A und O der Chemischen Industrie, die zunächst überwiegend für die Textilindustrie arbeitete. 1877 wurden von Edmund ter Meer in Uerdingen die ersten synthetischen Textilfarben aus Steinkohlenteer hergestellt. Daraus wurde der Chemiepark Uerdingen, in dem ebenso wie im Chemiepark Dormagen der Bayer-Konzern wichtige Produktionsstätten hat. Ein dritter Chemiepark am Niederrhein entsteht rund um die Solvay-Werke in Rheinberg. Alle Chemieparks liegen am Rhein und nutzen so die Wasserstraße als wichtigen Transportweg für Rohstoffe oder Fertigprodukte. Hinzu kommen Schienenstrecken und ein dichtes Autobahnnetz – die Verkehrsinfrastruktur lässt keine Wünsche offen.

Die Chemische Industrie kann sich auch auf ihre Zulieferer verlassen. Von Krefeld aus steuert der Industriegasehersteller Air Liquide ein 500 Kilometer langes Pipelinenetz an Rhein und Ruhr mit Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff und ist in Chemieparks mit Luftzerlegeanlagen präsent. Strom kommt aus dem Braunkohlenrevier oder wird an Ort und Stelle produziert, Gas fließt aus dem Osten heran. Im Laufe der Jahrzehnte wuchsen branchenkundige Zulieferer, Dienstleister und Weiterverarbeiter heran, so dass die Chemie optimale Voraussetzungen am Niederrhein findet.

So ist sie auch zum größten Wirtschaftszweig der Region geworden, denn ein Drittel aller Industrieumsätze entfällt auf chemische Produkte: 11 Milliarden Euro, von denen gut 60 Prozent im Ausland erzielt werden. Auch innerhalb Nordrhein-Westfalens, das mit einem Umsatzanteil von 31,6 Prozent größter Chemiestandort in Deutschland ist, besetzt der Niederrhein mit seinen 50 Unternehmen eine hervorragende Stelle: Knapp 20 Prozent tragen sie zum NRW-Chemieumsatz bei. Von den 20 umsatzstärksten deutschen Chemieunternehmen sind fünf mit wichtigen Standorten am Niederrhein vertreten. Im Umkreis von 500 Kilometern befindet sich ein Drittel des Chemie-Absatzmarktes in der Europäischen Region.

Die Chemie-Riesen Bayer, Lanxess und Deutsche Solvay stellen überwiegend Grundstoffe her, die dann häufig weiterverarbeitet werden. Die Bayer AG gehört zu den weltweit größten Herstellern von Polymeren und Kunstoffen. Dazu zählen Beschichtungen, Lacke, Klebstoffe, Dämmstoffe und Dichtstoffe wie Polycarbonate und Polyurethane. Hauptsächlich werden diese Produkte in der Autoindustrie eingesetzt, aber auch in der Bau-, Elektro- und Elektronikindustrie, in Sport- und Freizeitartikeln sowie als Verpackungsmaterial.

Die Hauptprodukte von Lanxess können in die Bereiche Spezial-, Basis- und Feinchemikalien sowie Kunststoffe und Kautschuke eingeordnet werden. Im Solvay-Werk Rheinberg, dem größten deutschen Produktionsstandort des Schweizer Unternehmens, werden Soda, Natriumbicarbonat, Natrionlauge, Salzsäure, Glycerin und Polyvinylchlorid (PVC) hergestellt.

Die Produktvielfalt der chemischen Industrie am Niederrhein ist riesig. Hier noch einige Beispiele: Rizinus- und Leinölderivate, Dispersionen, Bindemittel (Alberdingk Boley in Krefeld), Speziallacke für die Elektronik (Lackwerke Peters in Kempen), Hautschutzmittel und wasserspeichernde Bodengranulate (Evonik Stockhausen in Krefeld), Additive für Autolacke, Druckfarben oder Holz- und Malerlacke (Altana/Byk in Kleve), Kühlschmierstoffe und Hochleistungsfette (Rhenus Lub in Mönchengladbach), Salze und Sole (Esco in Rheinberg).

Die chemische Industrie am Niederrhein ist stolz auf hohe Sicherheitsstandards in ihren Produktionsbetrieben, so dass kaum chemietypische Arbeitsunfälle zu verzeichnen sind. Und sie legt großen Wert auf hohe Umweltstandards, die im Chemiepark Dormagen sogar dazu führten, dass alle Tore zum Rhein hin geschlossen wurden, als Sensoren im Abwasser auf den ihnen unbekannten Stoff Bier stießen, der aus zerdepperten Flaschen ausgelaufen und in den Kanal gelangt war. Auch hier stimmt die Chemie.

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Ansprechpartner

Bertram Gaiser
Geschäftsführer
Standort Niederrhein GmbH
02131 / 92 68 592
gaiser@standort-niederrhein.de

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