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Leben mit Lehm

Für das neu gebaute Diözesanmuseum Kolumba in Köln erhielt der Schweizer Architekt Peter Zumthor im Mai 2009 den Pritzker-Preis, quasi eine Art Nobelpreis der Architektur, verliehen. Im Innenraum entstand eine 28 Meter lange und 14 Meter hohe Wand, die ohne störende Dehnungsfugen beschichtet werden sollten. Das Kölner Unternehmen Stuck & Akustik Weck setzte dafür Lehmputz von Claytec aus Viersen ein. Die lichtgrauen Lehmputzflächen von insgesamt 6500 Quadratmetern haben Maßstäbe gesetzt, für Fachleute wie fürs Publikum. Je nach Lichteinfall schimmert der Kristallsand im Lehmputz.

Lehmputz ist heute international gefragt. So gehört etwa das historische Fort Al Jahili im Emirat Abu Dhabi zu den Referenzprojekten von Peter Breidenbach und Claytec. Sein 1984 gegründetes Unternehmen steht für die Herstellung und Anwendung von Lehm, im Englischen "clay", das tec für die Technik. Der Lehmbau im Sinne von Peter Breidenbach ist Nostalgie und Avantgarde zugleich. Der Lehm ist eine uralte Kulturtechnik, eine natürliche Ressource, die völlig zu Unrecht in den Hintergrund gedrängt wurde. Lehmputz, der auch Handystrahlung abschirmen kann, ist heute absolut modern und aktuell. Er steht für Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Gesundheit. Wie kein anderer Baustoff erfüllt Lehm ganz aktuell Anforderungen ökologischer und baubiologischer Art. Lehm ist örtlich verfügbar, bei der Herstellung benötigt er wenig Energie - und er gibt keine Schadstoffe ab. Lehmputz reguliert die Luftfeuchtigkeit, bietet eine gute Schalldämmung und speichert Raumwärme oder Sonneneinstrahlung.

Viele Argumente sprechen für Lehm, trotzdem war es viele Jahre überhaupt nicht modern und selbstverständlich, mit Lehm zu arbeiten. Angefangen hat alles im elterlichen Hof. Hermann und Inge Breidenbach führten seit 1960 in Viersen ein Architekturbüro und engagierten sich immer schon für die Denkmalpflege. Privat begannen die Eltern 1975 einen 1661 errichteten Fachwerkhof instand zu setzen, den Tho Rieth-Hof in Viersen. 1978 begannen dort die ersten Versuche, mit Lehm zu arbeiten. Mittendrin dabei waren immer Peter Breidenbach, damals 15 Jahre alt, und sein Schulfreund Ulrich Röhlen, wenige Jahre älter. Heute lebt und arbeitet Peter Breidenbachs älterer Bruder Martin als Architekt auf dem Hof. Dessen 1987 gegründetes Architekturbüro plant den Neubau von Wohnhäusern, ebenso ist es in der Denkmalpflege und Sanierung alter Gebäude aktiv, wobei energetische, ökonomische und baubiologische Aspekte besonders berücksichtigt werden. Ein aktuelles Beispiel ist Schloss Liedberg. Klar arbeitet Martin Breidenbach auch mit Lehm.

Peter Breidenbach ist einen anderen Weg gegangen. Nach dem Abitur ging er nicht an die Hochschule, sondern direkt in die Praxis. Denn es gab zwar bei einzelnen Bauherren, Architekten und Handwerkern Interesse an Lehm, es fehlte jede logistische, maschinelle und personelle Infrastruktur. Peter Breidenbach sah hier eine Marktlücke und die schloss er mit seinem eigenen Unternehmen. So gründete er 1984 mit 21 Jahren das Bauunternehmen Lehmbau Breidenbach und übernahm einen ersten großen Bauauftrag. 1985 wurde das Unternehmen in die Handwerksrolle der Handwerkskammer Düsseldorf eingetragen, als erste ausschließlich im Lehmbau tätige Firma in Deutschland überhaupt. Auch bei den Maschinen war Breidenbach Pionier. Einen modernen Lehmbau hatte es zuvor nie gegeben. Die Maschinen dazu mussten erst entwickelt werden. Auch geeignete Mitarbeiter mussten gefunden werden. Schulfreund Ulrich Röhlen, der in Aachen Architektur studierte, machte von Anfang an mit.

Das junge Unternehmen war bundesweit an der Sanierung bedeutender Fachwerkhäuser beteiligt, etwa das Haus Römer 2-6 in Limburg aus dem Jahr 1289, eines der ältesten Fachwerkhäuser Deutschlands. Gemischt wurde grundsätzlich auf der Baustelle, was immer einen großen Aufwand bedeutete. Aus Qualitäts- wie Kostengründen verlegte sich Peter Breidenbach nach 1989 auf die Vorfertigung von Lehmbaustoffen und den Vertrieb an Handwerksbetriebe. Für die Produktion der Claytec-Baustoffe wählte er einen besonderen Ort aus, die Alte Ziegelei aus dem Jahr 1908 in Viersen, die letzte Ziegelei mit einem intakten Ringofen im Rheinland, der bis 1935 in Betrieb war. Peter Breidenbach, 1963 in Viersen-Süchteln geboren und aufgewachsen, kam als Schüler immer mit dem Fahrrad an der Ziegelei-Ruine vorbei. Für die Jungen war sie ein herrlicher Abenteuerspielplatz. Als sie abgerissen werden sollte, verteilte er Autoaufkleber, auf denen der Erhalt gefordert wurde. Mit Landesmitteln gelang die Restaurierung. Heute arbeiten dort und im Büro 27 Mitarbeiter.

Wenn man dort bei der Produktion zuschaut, lernt man schnell, dass Lehmputz auch eine farbliche Vielfalt zulässt. Mit dem Yosima-Lehm-Designputz werden aus fünf Grundfarben feinabgestimmt 138 Töne gemischt. So wie der Auto-Markenname Mercedes nach einem Mädchen benannt wurde, so wählte Peter Breidenbach für seine neue Produktlinie einen Namen, der sich aus den Anfangsbuchstaben seiner Kinder zusammen setzt: Yosima steht für Yola, Simon und Max.

Aus dem handwerklichen Bereich hat sich Breidenbach immer mehr zurückgezogen, um nicht mit den Abnehmern seiner Produkte in den Wettbewerb zu treten. Dafür werden Schulung und Verkauf ausgebaut. Im ehemaligen Meisterhaus der Ziegelei entstehen Seminarräume. Das Bauen im Bestand nimmt zu. Neue energetische Standards bei der Sanierung spielen Claytec in die Hände. "Die Raufaser-Tapete ist tot, es lebe der Toskana-Putz", lacht Peter Breidenbach. Dabei geht es aber nicht nur um Ästhetik oder Trends, sondern um handfeste Argumente wie das gute Raumklima. Lehm, der älteste Baustoff der Welt, hat den Sprung in die Moderne geschafft.

 

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