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Der Ausbildungsmarkt 2017: Krefeld und Kreis Viersen

Krefeld/Kreis Viersen. Wie im Jahr 2016 ist die Lehrstellen-Vermittlung in Krefeld und im Kreis Viersen auch in diesem Jahr stabil geblieben. Gemeinsam stellten die Vertreter von Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, Kreishandwerkerschaft und Agentur für Arbeit jetzt fest: Die Wirtschaft am Niederrhein sucht nach wie vor Auszubildende und stellt ein.

Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein:
Die Zahl der bei der IHK neu eingetragenen Ausbildungsverträge lag zum Stichtag 30. September mit insgesamt 4.340 Verträgen etwa auf dem Vorjahresniveau (4.420). Dabei ist die Lage in den Teilregionen des IHK-Bezirks teilweise unterschiedlich. „In Krefeld und im Kreis Viersen konnten wir einen leichten Zuwachs verzeichnen, in Mönchengladbach und im Rhein-Kreis Neuss gab es leichte Rückgänge“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz.

So wurden in Krefeld 1.053 Verträge abgeschlossen, im Kreis Viersen 795 (jeweils einer mehr als im Vorjahr), in Mönchengladbach 967 (1.051) und im Rhein-Kreis Neuss 1.501 (1.506). In Nordrhein-Westfalen wurde ein Plus von 0,1 Prozent verzeichnet. Angesichts rückläufiger Schulabgänger- und Bewerberzahlen sowie steigender Studierendenzahlen sind die aktuellen Eintragungszahlen laut Steinmetz zufriedenstellend. Besonders erfreulich sei am Mittleren Niederrhein der Zuwachs an gewerblichen Ausbildungsverhältnissen (1.339 zu 1.238 im Vorjahr).

„Eine besondere Aufgabe bleibt es“, so Steinmetz, „Unternehmen und mögliche Azubis zusammenzubringen und für die gute duale Ausbildung bei Jugendlichen, Eltern und Lehrern zu werben.“ Dazu sendet die IHK Mittlerer Niederrhein im Rahmen ihres Projekts „Ausbildungsbotschafter“ Azubis in die Schulen. „Außerdem sorgen wir mit unseren Matcherinnen für eine passgenaue Vermittlung, informieren Eltern im Elterncafé und beraten Unternehmen in Sachen Fachkräftegewinnung.“ Dank zahlreicher gemeinsamer Initiativen in der Region – zum Beispiel Check-In Berufswelt – und einer engagierten Unternehmerschaft sei der Mittlere Niederrhein eine aktive Ausbildungsregion.

Der IHK-Hauptgeschäftsführer appelliert an die Unternehmen, Berufsausbildung zu unterstützen und auszubauen und auch denjenigen eine Chance zu geben, die nicht zu 100 Prozent ins Anforderungsprofil passen. Der Fachkräftemangel sei bei den Betrieben der Region inzwischen deutlich spürbar angekommen und stelle ein wesentliches Risiko für die konjunkturelle Entwicklung dar. „Die Verantwortlichen müssen erkennen, dass es für den Fachkräftemangel nur eine Lösung gibt: ausbilden!“ Steinmetz appelliert aber auch an junge Menschen und deren Eltern. „Es ist wichtig, nicht nur den einen vermeintlichen Traumberuf im Kopf zu haben, stattdessen ähnliche Berufe in Erwägung zu ziehen und sich über eher unbekannte Berufe und Ausbildungsbetriebe zu informieren – und für eine gute Stelle auch längere Fahrtwege in Kauf zu nehmen.“

Kreishandwerkerschaft Niederrhein:
Das Handwerk in der Region konnte in diesem Jahr das Ausbildungsniveau deutlich steigern. Zum Stichtag 30. September 2017 wurden im Bereich der Kreishandwerkerschaft Niederrhein Krefeld-Viersen-Neuss 1.504 Lehrverträge neu abgeschlossen (nach 1.369 im Vorjahr – plus 135 Verträge = + 9,8 Prozent). „Die Zahlen belegen, wie attraktiv das Handwerk nach wie vor für junge Menschen ist“, sagt Klaus Koralewski, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. „Gerade die technisch anspruchsvollen Handwerksberufe wie Elektroniker, Kfz-Mechatroniker oder Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bieten sehr sichere Arbeitsplätze und hervorragende Zukunftsperspektiven.“ Hinzu komme, dass zahlreiche Betriebe schon jetzt nicht nur gut ausgebildete Fachkräfte suchen werden, sondern auch Nachfolger für die Unternehmensführung. „Das zieht sich durch nahezu alle Handwerksbranchen“, so Koralewski. „Somit ist eine handwerkliche Ausbildung eine hervorragende Basis, beispielsweise für eine spätere Selbstständigkeit.“ Für die berufliche Karriere brauche man nicht unbedingt ein Studium. „Wer ehrgeizig ist, hat dazu im Handwerk allerbeste Chancen.“

Besonders freut sich die Kreishandwerkerschaft Niederrhein darüber, dass die Ausbildungsbereitschaft der Handwerksunternehmen in der Region weiter erhöht werden konnte. „Viele Betriebsinhaber haben erkannt, dass selbst ausgebildete Fachkräfte eine Art unternehmerische Lebensversicherung für die Zukunft darstellen“, berichtet Koralewski. „Sie setzen auf nachwachsende Ressourcen – nämlich Auszubildende.“

In Krefeld und im Kreis Viersen wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 933 Lehrverträge abgeschlossen – 34 mehr als im Vorjahr, das bedeutet eine Zunahme um 3,8 Prozent. Zulauf haben in diesem Jahr die Dachdecker (62 = +12,8 Prozent), Metallbauer (7 = 20,5 Prozent), Tischler (9 = 18 Prozent), Anlagenmechaniker für SHK-Technik (90 = +7,1 Prozent) und Friseure (4 = 6,8 Prozent). Eine Steigerung um 56,8 Prozent haben die Land- und Baumaschinenmechatroniker (69) zu verzeichnen.

Gleichbleibend auf hohem Niveau bilden aus die Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker (17), Kfz-Mechatroniker (134), Elektroniker (87), Konditoren (20), Gebäudereiniger (11) und die Fachverkäuferinnen im Fleischerhandwerk (7). In den Berufen Straßenbauer (17), Tiefbaufacharbeiter (10), Steinmetz- und Steinbildhauer (2), Maler- und Lackierer (38), Zweiradmechatroniker (5), Bäcker (15), Fleischer (4), Fachverkäuferinnen im Bäckerhandwerk (34) konnten die Zahlen vom letzten Jahr bisher noch nicht erreicht werden.

Trotz der erfreulichen Zunahme der Neuabschlüsse sind noch genügend Ausbildungsplätze im Handwerk nicht besetzt. Die Betriebe suchen auch weiterhin qualifizierte Jugendliche für eine Ausbildung. Es fehlen aufgrund des demografischen Wandels und durch den zunehmenden „Akademisierungswahn“ weitere dringend benötigte Lehrstellenbewerber im Handwerk. Als Fazit lässt sich festhalten, dass offensichtlich die Imagekampagne im Handwerk und die Aktivitäten des Handwerks im Bereich der Berufsorientierung Wirkung zeigt und wieder mehr junge Menschen den Weg in die duale Berufsausbildung und ins Handwerk suchen.

Agentur für Arbeit Krefeld:
Eine konstante Zahl an ausbildungssuchenden Jugendlichen und an angebotenen Ausbildungsstellen – das ist in Kurzform das Ergebnis auf dem Ausbildungsmarkt im Bezirk der Agentur für Arbeit Krefeld.
Insgesamt haben mit 4.357 Bewerberinnen und Bewerbern 28 junge Leute weniger als im Vorjahr bei der Berufsberatung nach einer Ausbildungsstelle nachgefragt. Das ist ein leichter Rückgang von 0,6 Prozent. Ihnen standen 3.007 bei der Arbeitsagentur gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber. Dies ist – gegenüber dem Vorjahr – ein um 36 Stellen (plus 1,2 Prozent) erhöhtes Angebot. Rein rechnerisch standen somit über das Ausbildungsjahr 100 Bewerberinnen und Bewerbern 69 Ausbildungsangebote offen (Vorjahr 100 zu 68).

„Wenn man sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt ansieht, erkennt man eine konstante Entwicklung. Jedoch wird deutlich, dass in Krefeld und dem Kreis Viersen noch immer Angebote fehlen, um allen Jugendlichen die Chance auf einen guten Start in Berufsleben zu ermöglichen. Der Fachkräftebedarf wird in den kommenden Jahren weiter steigen, die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber sinken. Deshalb ist es für Betriebe sinnvoll, jetzt in die eigene Zukunft zu investieren, auszubilden und auch bereit zu sein, schwächeren Jugendlichen eine Chance zu geben, zumal es vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten gibt, mit denen wir auch die Ausbildungsbetriebe entlasten können. Auch die Jugendlichen müssen den Prozess der Ausbildungssuche intensiv betreiben. Ich bitte auch die Eltern, dies zu unterstützen. In Deutschland gibt es rund 350 anerkannte Ausbildungsberufe, von den im Agenturbezirk etwa 170 angeboten werden. Jugendliche, die jetzt noch auf der Suche sind, sollten sich unbedingt über Alternativen zum Wunschberuf informieren und die vielfältigen Angebote unserer Berufsberatung nutzen“, so Dirk Strangfeld, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld.

Zum Ende des Berufsberatungsjahres am 30. September waren 464 Jugendliche bei der Agentur für Arbeit gemeldet, die noch eine Ausbildungsstelle suchten und auch noch keine Alternative gefunden hatten. Dies entspricht einem Rückgang von 73 Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr. Zu Ende September waren aber auch noch nicht alle Ausbildungsstellen besetzt. Für 205 Stellen, und damit für 16 mehr als im Vorjahr, waren die Arbeitgeber noch auf der Suche nach den geeigneten Auszubildenden.

„Bei der angesprochen Vielfalt und noch offenen Ausbildungsstellen gibt es auch jetzt noch Chancen. Der Prozess der Ausbildungssuche verläuft über das ganze Beratungsjahr. Wir werden auch in den nächsten Wochen gemeinsam mit unseren Partnern im Ausbildungskonsens alle Anstrengungen unternehmen, diese Jugendlichen auf die freien Ausbildungsstellen zu vermitteln“, erläutert Strangfeld.

Den Ausbildungssuchenden bietet die Agentur für Arbeit viele Unterstützungsmöglichkeiten an: Neben der individuellen Beratung und der Vermittlung von Ausbildungsstellen können auch Kosten übernommen werden, die bei Vorstellungsgesprächen oder der Aufnahme eines weiter entfernten Ausbildungsplatzes anfallen, sofern der Jugendliche die Mittel nicht selbst aufbringen kann. Auch während der Ausbildung kann die Agentur mit ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) oder der assistierten Ausbildung (AsA) die Azubis unterstützen, wenn die Leistungen in der Berufsschule nicht ausreichen und Nachhilfe benötigt wird, um einen Ausbildungsabbruch zu vermeiden.

Quelle: IHK Mittlerer Niederrhein

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