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„Hochkaräter“ über Raps und Rübe

Niederrhein. Zur herbstlich angehauchten Bühne zählten ein historischer Traktor, herrliche Obstkörbe vom nachbarlichen Hof, prall gefüllt mit Äpfeln und Birnen und die riesige Leinwand, deren Namen einer wie der andere das Attribut „hochkarätig“ verdiente. Die Logos der Landwirtschaftskammer, des Wunderlandes und der Kreis-Wirtschaftsförderung wiesen auf die Veranstalter hin. Ludger Kazmierczak, der Moderator dieses zweiten Agrar-Forum Niederrhein, hatte sich vor gut 300 Gästen kurz an seine erste große Jugendliebe, ein Bauernmädchen aus Kranenburg erinnert und daraus seine Qualifikation zur Leitung durch eine solche, von landwirtschaftlichen Zusammenhängen getragene Veranstaltung abgeleitet und hier seinen ersten Lacher gesetzt. 

Schluss mit lustig war, als Kazmierczak den scheidenden Kreislandwirt Josef Peters begrüßte. „Wir werden Ihre O-Töne im Hörfunk vermissen“, formulierte der Redakteur sein Bedauern, dass Peters nach zwölf Jahren den Stab weitergibt und damit künftig eher nicht mehr der überzeugende Schlagzeilen-Lieferant für die Belange der Landwirtschaft sein dürfte. 

In die gleiche Kerbe schlug Wolfgang Spreen. Der Landrat des Kreises Kleve sagte „Dank für alles, was Sie im Kreis Kleve für die Landwirtschaft getan haben“ und wünschte sich für den Morgen Strategien für die Zuckerrübe und den Raps und „Aufbruchstimmung erkennbarer Art“. Dr. Martin Berges, der Direktor der Landwirtschaftskammer NRW, nannte die Region „Milchviehland, Kartoffelland und Pachtpreisland Nummer 1“. Es gebe heute keine einfachen Antworten mehr. Zwei Drittel aller Betriebe seien nach wie vor Haupterwerbsbetriebe, deren Einkommen laut Statistik etwa 40.000 Euro pro Jahr betragen. „In der Rübe steckt Musik“, lenkte Berges die Inhalte seiner Statements zum Thema des Tages, das mit „Durchstarten und Spurwechsel“ auch Erwartungen zu einem Mehr an Rübenanbau signalisierte. Gentechnisch unveränderte Futtermittel seien beliebt, so der Direktor der Kammer. 

Dr. Hermann Schmitz, der Bereichsleiter Landwirtschaft von Pfeifer & Langen, freute sich zunächst über die „tolle Kulisse mit vielen Gästen“, die das Veranstalter-Trio einmal mehr liefere. Er ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass er die Landwirte zu weiterem Rübenanbau motivieren wolle. Pfeifer & Langen, bislang einer der größten Importeure von Rohrzucker, wird künftig auf derartige Importe verzichten, und zwar gänzlich. Selbst Coca-Cola wolle zurück zum Rübenzucker, meinte Schmitz. Auch deshalb habe Jürgen Pintzke, Kaufmännischer Leiter des Pfeifer & Langen-Werkes in Appeldorn, für die 30 Millionen Euro-Investition votiert, die zur Stunde im Interesse der Veränderungen im Markt umgesetzt werde. Dass die Landwirtschaft die Freiheiten im Markt schätzt, das zeige auch die Entscheidung zum flexiblen Preisgefüge. Neun von zehn Landwirten hätten, so Schmitz, das sogenannte Flexpreis-Modell dem Sicherheitspreis-Modell vorgezogen. Man wolle das Risiko schwankender Preise mit vielleicht höherer Preiserwartung also mitgehen.

Oliver Balkhausen, der Chef-Volkswirt der ADM-Ölmühlen – ehemals Ölwerke Spyck – überraschte zunächst mit den Leistungszahlen des Unternehmens. 62 Milliarden Dollar Umsatz werden weltweit getätigt. 33.000 Mitarbeiter habe man, 750 Anlagen weltweit, von denen eine in Kleve an der Rheinstraße in Spyck stehe. 3.100 Tonnen Raps könne man hier tagtäglich mit 65 Mitarbeitern verarbeiten. Aus der Region kämen hier nur 6.000 Tonnen jährlich – somit böte ADM den Landwirten alle Möglichkeiten, auf Raps umzusteigen. Eine Herausforderung, die Dr. Franz-Josef Stork, der Leiter der Kreisstelle Kleve/Wesel der Landwirtschaftskammer NRW, neben der Rübe als weitere Chance empfindet. Die nächsten zwei Jahre prägten das Vertrauen in die Märkte, meinte er. Nicolas Bremer, der Geschäftsführer der Bremer Agrarhandel aus Bedburg-Hau, sah Raps in der Milchvieh-Fütterung als gesetzt an. Soja hingegen sei noch zu teuer. 

Quelle: WFG Kreis Kleve

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