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Stadt Mönchengladbach begrüßt Gesprächszusage des DFB

Mönchengladbach. Nach Bekanntgabe der Städte, mit denen sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) um die Austragung der Fußball Euromeisterschaft 2024 bewirbt, hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel der Stadt Mönchengladbach ein Gespräch über den Verlauf des Bewerbungsverfahrens angeboten. In einem Brief an den DFB-Präsidenten griff Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners in der vergangenen Woche das Angebot auf und führte einige Punkte an, die er für diskussionswürdig hält. Dass der DFB nun nach Medienberichten ein Gespräch mit Vertretern von Stadt und Borussia zugesagt hat, begrüßt die Stadt Mönchengladbach. Hier das Schreiben an den DFB-Präsidenten vom 2. Oktober im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Präsident Grindel,

in unserem Telefonat am 15.September 2017 hatten Sie die Bereitschaft des Deutschen Fußball-Bundes erklärt, sich mit der Stadt Mönchengladbach über den Verlauf des Bewerbungsverfahrens auszutauschen. Dieses Angebot nehme ich gerne an und lege im Folgenden dar, worum es mir geht. Ich darf Ihr Einverständnis voraussetzen, dass ich diesen Brief öffentlich mache.

Das Wichtigste stelle ich an den Anfang: Der Deutsche Fußball-Bund hat eine gute Entscheidung getroffen. Die ausgewählten zehn Städte werden die ihnen übertragene Aufgabe erfüllen. Allerdings hätte das auch für jede andere Auswahl unter den 14 Bewerbern gegolten. Entsprechend enttäuscht sind wir. Diese Enttäuschung folgt auch aus dem Verlauf des Bewerbungsverfahrens. Bei uns ist der Eindruck entstanden, dass wir als Neuling in der Runde der Etablierten nie eine echte Chance hatten und dass man uns darüber hinaus an der einen oder anderen Stelle nicht fair behandelt hat. Ich will das begründen.

Zunächst zum Unterschied zwischen „den Etablierten“ und „den Anderen“: Als wir zu Beginn des Verfahrens unsere Chancen analysiert haben, haben wir überlegt, wer die wahrscheinlichen „Gewinner“ sein würden. Unsere Liste war – abgesehen von einer einzigen Ausnahme – deckungsgleich mit dem Ergebnis, das zustande gekommen ist. Wir hatten vermutet, dass Hannover aus Gründen des geografischen Proporzes dabei sein würde; und zwar an Stelle eines nordrhein-westfälischen Spielortes. Wir haben angenommen, dass Sie sich für die Großen, die Reichen (teils reich aufgrund eigener Wirtschaftskraft, teils auch aufgrund von Transferzahlungen) und Schönen entscheiden würden. Da eine Auswahl nach diesen Kriterien nur Städte hervorgebracht hätte, in denen der Fußball im einen oder anderen Fall zwar eine wichtige Rolle spielt, im Großen und Ganzen aber die jeweilige Stadt nicht prägt, würden zwei „Fußball-Städte“ dem Portfolio gut tun; und zwar die beiden mit den größten Stadien. So ist es ja dann (fast) gekommen.

Warum haben wir uns dennoch beworben? Wir haben geglaubt, dass die Zementierung eines ohnehin vorhandenen „closed shops“ von Spielorten nicht unbedingt im Interesse des deutschen Fußballs sein würde. Die Auswahl des einen oder anderen „Außenseiters“ oder einer weiteren stark durch Fußball geprägten Stadt hätte ein Zeichen für die Zukunft sein können. Für uns war klar, dass wir nur dann eine Chance haben würden, wenn der Deutsche Fußball-Bund einen solchen Wechsel auf die Zukunft ins Auge fassen würde.

Die Entscheidung für die, „die immer dabei sind“, ist natürlich keine schlechte Entscheidung, aber sie ist sehr defensiv. Sie setzt ausschließlich auf wirtschaftliche Kraft und Stadiongröße und hat in diesem Sinne auch eine „sportpolitische“ Bedeutung. Und sie ist auch keine wirklich faire Entscheidung, denn Spielort sind wiederum vorzugsweise die Städte, deren Infrastruktur, manchmal zurückreichend bis 1974, bei jedem großen Turnier von öffentlichen Investitionen profitiert hat. Der dadurch entstandene und immer wieder neu entstehende Vorsprung ist von denen, die nicht in den Genuss einer solchen Förderung kommen, praktisch nicht aufzuholen, denn sie müssen versuchen, das aus eigener Kraft zu erreichen, was andere mit Hilfe von Bund und Land schaffen. Das kann nicht gelingen.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen musste das von Ihnen gewählte Verfahren dazu führen, dass der Status Quo stabilisiert wird und dass die, die sich anschicken, an ihm zu rütteln, auf Abstand bleiben. Das ist unter anderem für uns sehr bedauerlich, aber andererseits haben wir uns nicht zu beklagen, denn wir haben uns ja auf die Angelegenheit eingelassen – letztlich in der vagen Hoffnung, dass die Dinge vielleicht doch ein wenig anders laufen würden als in der Vergangenheit.

Was uns jenseits von Enttäuschung und Bedauern ärgert, sind eine Reihe von Details im Bewerbungsverfahren, die bei uns den Eindruck haben entstehen lassen, dass wir zusätzlich zu dem ohnehin vorhandenen Nachteil auch noch unfair behandelt worden sind. Ich will vier Beispiele herausgreifen:

Da wir unsere Unterlagen bereits fertig hatten, haben wir die kurzfristige Verlängerung des Bewerbungszeitraumes als Nachteil empfunden. Ärgerlich war der in der Öffentlichkeit entstandene Eindruck, eine Bewerberstadt habe diese Fristverlängerung gegen den Deutschen Fußball-Bund durchgesetzt.

Wir haben den gleichen Flughafen angegeben wie ein Mitbewerber. Für den Mitbewerber hat dieser Flughafen sämtliche Garantieerklärungen abgegeben, für uns scheinbar nicht. Im Evaluationsbericht wird uns das negativ angerechnet.

Den „Standortnachteil“ eines fehlenden ICE-Anschlusses teilen wir mit einem anderen Bewerber. Diesem attestiert der Evaluationsbericht, dass er „mit Nachteilen zu kämpfen habe“. Für uns lautet die Formulierung „erhebliche Defizite“.

Ein Bewerber hat eine deutlich höhere Stadionkapazität als die vorhandene genannt und dies mit Ausbauplänen begründet. Sie haben das akzeptiert. Nach gleichlautenden Medienberichten ist die angedachte Erweiterung allerdings schon heute wieder vom Tisch. (Zitat: „8.000 Plätze für 100 Millionen; das ist doch Wahnsinn!“) Ich verzichte auf die Auflistung weiterer Punkte, würde diese aber gerne in dem von Ihnen angebotenen Gespräch diskutieren. Vielleicht lässt sich dadurch mein Eindruck ausräumen, dass man bei den ohnehin benachteiligten Standorten ein besonderes Augenmerk darauf gelegt hat, ihre tatsächlichen und manchmal auch nur vermeintlichen Schwächen öffentlich herauszuarbeiten.“

Quelle: Stadt Mönchengladbach

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