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Der mit dem Dujardin

Es gibt Werbesprüche, die Jahrzehnte überdauern. Ob HB oder Toyota, Wicküler oder Persil – sie alle haben für schier unvergessliche Zitate gesorgt. Einer dieser Sprüche hat seinen Ursprung in einem heutigen Stadtteil von Krefeld. Um die Entstehung des berühmten Slogans ranken sich viele Legenden. Matthias Melcher erzählt seine Lieblingsgeschichte: „Die Werbefachleute hatten sich zwei Wochen lang in Klausur begeben. Als sie endlich einen Spruch gefunden hatten, mit dem alle zufrieden waren, soll einer von ihnen gesagt haben: ,Darauf trinke ich einen – darauf einen Dujardin’“. Sollte diese Geschichte stimmen, kann sich jedenfalls niemand mehr an den mühsam erdachten Slogan erinnern. Der spontane Ausruf aber trat seinen Siegeszug durchs Wirtschaftswunderland an und brannte sich ins kollektive Gedächtnis der Deutschen ein. Die Heimat der Spirituose ist Uerdingen, das heute zur Samt- und Seidenstadt gehört. Dujardin war nach dem Zweiten Weltkrieg in aller Munde. Das Unternehmen hatte eine eigene Zollstation und sogar ein eigenes Seeschiff, die M.S. Imperial. Wie ansonsten nur noch Bayer gehörte Dujardin zu Uerdingen und Uerdingen zu Dujardin. Selbst das Haus des Pfarrers musste dem stetig wachsenden Unternehmen weichen.


Das ist lange her. Doch direkt am Rhein, gegenüber von Duisburg, sind noch immer imposante Überreste des einstigen Global Players zu bestaunen. Mit viel finanziellem und persönlichem Engagement und Liebe zum Detail haben Matthias Melcher und seine Familie die Fabrikanlagen mit den gewaltigen Brennblasen restauriert. Sie fühlen sich dem Erbe von Henricus Melcher verpflichtet. Der „Bauer und Fuselbrenner“ – damals kein Schimpfwort – wurde 1742 erstmals urkundlich erwähnt. Er brannte das Korn der Uerdinger Landwirte. 1810, unter Napoleon, erfolgte die offizielle Unternehmensgründung. Und weil die Niederrheiner eine enge Verbindung zu einer Weinbaufamilie namens Dujardin geknüpft hatten und bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs alles Französische als chic galt, benannte man die Firma um. „Wir waren jahrzehntelang richtig in Mode und betrieben die größte Weinbrennerei des Landes“, erzählt Melcher.


Doch der Geschmack änderte sich. „Spirituosen waren irgendwann nicht mehr in, der Weinbrand passte nicht mehr in die Zeit.“ Anfang der 70er Jahre begann die Talfahrt, das Unternehmen wurde kleiner und kleiner. Partnerschaften mit anderen Vertretern der Branche zerbrachen. Zu Beginn der Nullerjahre stand Dujardin ohne Produktion und Lagerung da. In dieser schwierigen Phase kehrte Matthias Melcher aus den USA zurück, wo der gelernte Regisseur und IT-Experte einige Jahre lang gearbeitet hatte. So zeichnete er unter anderem für Spezialeffekte im Kassenschlager „Titanic“ verantwortlich. Aber als Uerdingen rief, verließ er Hollywood. „Mein Vater erklärte mir damals, dass er zu alt für die Fortführung der Geschäfte sei.“ Der Sohn stieg ein und die Firma Schwarze und Schlichte übernahm die Herstellung und den Vertrieb der Produkte. Die Markenrechte für „Dujardin“, „Uerdinger“ und Co. liegen aber weiterhin bei den Melchers. Der neue Dujardin Fine etwa wird als „Cognac in erstklassiger VSOP-Produktqualität“ beworben, welche auf langjährige Fasslagerung zurückzuführen sei. „Sein äußerst weiches sowie sanftes Aroma kann zu vielen Anlässen getrunken werden. Man genießt ihn klassisch pur, auf Eis oder in trendigen Cocktails.“ Beim „Uerdinger“ handelt es sich um einen „fein-würzigen Doppelwacholder vom Niederrhein“, ein Naturprodukt mit ausgeprägter Milde. Noch heute werde er nach der alten, überlieferten Familienrezeptur unter Verwendung handverlesener Wacholderbeeren mit Sorgfalt destilliert, versprechen die Verantwortlichen.


Die historischen Gebäude samt Weinbrennerei werden für Veranstaltungen vermietet, es gibt ein Restaurant und einen Biergarten auf dem Areal. Auch Führungen werden regelmäßig angeboten. Die ehemalige Fabrik, nur wenige Schritte vom großen Strom gelegen, ist ein beliebtes Ausflugsziel für Vereine und Institutionen, nicht nur vom Niederrhein. Ein Besuch ist für viele ein unvergessliches Erlebnis. „Wir wollen dieses Stück Wirtschafts- und Familiengeschichte lebendig halten“, sagt Matthias Melcher, Vertreter der neunten Generation seit Henricus. Immerhin kann man auf mehr als 200 Jahre zurückblicken. Verständlich, dass das große Jubiläum im September 2010 angemessen gefeiert wurde. Wie oft es damals hieß „Darauf einen Dujardin“ ist leider nicht überliefert.


M. Melcher GmbH
Hohenbudberger Straße 10
47829 Krefeld


Telefon: 02151/4832 0
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Stand 2016