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Peiffer Willich – Rasen von der Rolle

Auf ihrem Rasen spielen Ajax Amsterdam, Real Madrid – und natürlich Borussia Mönchengladbach. Vor der Fußballweltmeisterschaft interessierte sich Brasilien für den Rollrasen aus Willich. Jetzt forscht die Sporthochschule Köln auf Rasenstücken der Gebrüder Peiffer im Auftrag eines Sportartikelherstellers, wie die ideale Kraftübertragung zwischen Sportler, Schuh und Rasen funktioniert. Auf echtem Rasen wohlgemerkt. Viele Vereine, die aus Kostengründen auf Kunstrasen ausgewichen sind, kehrten zu echtem Naturrasen zurück, nachdem die Spieler über Schmerzen in den Gelenken, Bändern oder im Rücken klagten.

Wer das Unternehmen Gebrüder Peiffer in Willich besucht, landet mitten in der Landwirtschaft in Knickelsdorf, zwischen Neersen und Schiefbahn. Und obwohl mit Dipl. Ing. Arnd Peiffer bereits die dritte Generation im Unternehmen arbeitet, ist der Fertigrasen-Zuchtbetrieb noch relativ jung. Bei der Gründung durch den Großvater Peter Peiffer 1972 war die Erfolgsgeschichte des kleinen Garten- und Landschaftsbaubetriebes noch überhaupt nicht abzusehen. Als Subunternehmer für die Grünpflege in der Stadt Düsseldorf erhielt Peiffer den Auftrag, für ein Regenrückhaltebecken einen Rollrasen zu verlegen. Am Niederrhein kannte damals kein Mensch „Rollrasen“. Also holte sich Peiffer den Rollrasen aus der nächstgelegenen Quelle in Niedersachsen. Als der Auftrag bestens verlief, war der Ehrgeiz geweckt: Im Jahr darauf wird es in Willich selber ausprobiert.

Der Anfang war gemacht und überzeugte. Viele Landschaftsgärtner erkannten bald sehr schnell, dass fertiger Rollrasen für den Kunden nicht nur besser aussieht, sondern weniger Reklamationen und mehr Umsatz bringt als eine bloße Einsaat. Doch wer jetzt denkt, das sei eine tolle Geschäftsidee, mit der jedermann leicht viel Geld verdienen kann, liegt daneben. Rasen ist keineswegs gleich Rasen. Für Fußball und Golf gibt es verschiedene Rasensorten, jeder Rollrasen wird aus sieben bis acht Saaten gemischt. Bis Peiffer zu den heutigen Ergebnissen gelangte, musste das Unternehmen einen langen Weg mit vielen Rückschlägen zurücklegen.

Ein Rollrasen braucht auch seine Zeit. Er ist etwa in einem Jahr fertig, bis dahin wird er wöchentlich dreimal gemäht, je nach Bedarf muss gedüngt und gewässert werden. Jeden zweiten Tag gehen ein paar Millimeter wieder runter, notfalls muss das Schnittgut abgesaugt und der Rasen gestriegelt werden. Für Golfplätze ist Peiffer der einzige Rasenzüchter bundesweit. Der Golfrasen hat eine ganz feine Blattstruktur mit bis zu 100.000 Trieben je qm, normal sind etwa 20.000. Um den Rollwiderstand zu minimieren, wird der Rasen tief geschnitten. Es bleiben 4-5 mm stehen, der gemähte Fußballrasen hat immerhin noch 28 mm Halmhöhe. Beim Golfen geht es um die Schnelligkeit des Green. Je weiter der Ball rollt, desto besser.

Das Rasengeschäft hat sich langsam entwickelt und ist stetig gewachsen. Begonnen wurde mit 2000 qm, das steigerte sich auf 3000 und 5000 qm, dann 1 ha, 2 ha. Heute liegt Peiffer bei 250 ha, wobei die Flächen über den gesamten Niederrhein verteilt sind, neben Willich auch in Wachtendonk oder Weeze. Ja selbst in den Niederlanden ist Peiffer tätig. Bei Arcen in Limburg werden Böden genutzt, die durch ihre sandige Beschaffenheit besonders für Sportrasen geeignet sind. Einerseits sind die Mitarbeiter durch die Außenacker viel unterwegs, auf der anderen Seite kann der Betrieb eine große Bandbreite an Böden anbieten. Und für die Fruchtfolge werden die Äcker mit den Landwirten jedes Jahr getauscht.

Die Wende im Sportrasen brachte das Regenspiel Deutschland : Polen 1974 in Frankfurt. Damals ist das Spielfeld „abgesoffen“. Danach wurden Kriterien festgelegt, nach denen ein Rasenplatz fast immer bespielbar sein muss. Noch wichtiger sind die 2000er Jahre, in denen die modernen Fußballstadien entwickelt wurden. Der Prototyp ist die Amsterdam Arena. Es folgten Arnheim und Schalke. Die Tribünen der Arenen werden höher gebaut, die Dächer sind meistens geschlossen. Auf Dauer kann dort kein Rasen überleben, weil es keine Windbewegung mehr gibt, rund um die Uhr ein feuchtes Milieu herrscht und das direkte Sonnenlicht fehlt. Im ersten Jahr „verbrauchte“ die Amsterdam Arena sechs Rasen. Der erste Peiffer-Rasen hielt vier Monate, also doppelt so lang. Wenn Arnd Peiffer, der seine Diplomarbeit über Rasen in modernen Stadien geschrieben hat,  erzählt, wird Rasen zu einer Wissenschaft für sich. Als noch die Kaufmänner in den Vereinen das Sagen hatten, wählten sie immer das billigste Angebot. Nach dem Motto: Rasen ist gleich Rasen. Ist er aber nicht. Erst als die großen Vereine einflussreiche Greenkeeper beschäftigten, passierte ein Umdenken. Am weitesten lieferten die Willicher Rasen nach Porto und Istanbul. Jede Rolle wiegt eine Tonne und liefert einen Rasen von 15 Metern Länge und 1,2 Metern Breite. Für ein Stadion braucht man 450 Rollen.

Früh wurde der FC Porto zum Stammkunden. Der Rasen im neuen Stadion war nach dem Eröffnungsspiel umgepflügt. Für das Champions League Spiel mit Manchester United musste ein neuer her. Nach der geglückten Premiere erhielt Peiffer in Willich einen Anruf aus England, dem Rasenland par excellence. Als Manchester United Rasen made in Willich orderte, Celtic Glasgow und Real Madrid folgten, war der Durchbruch geschafft – aber kaum ein Stadion in Deutschland beliefert. Schalke war der erste. Heute ist Peiffer in der Bundesliga der führende Lieferant. Einige Vereine spielen jetzt auf Hybridrasen, also Naturrasen mit Kunststoffteilen. Auch Peiffer experimentiert auf diesem Terrain.  Kaum zu glauben, dass hinter dieser Erfolgsgeschichte nur 50 Mitarbeiter stehen. Arnold Peiffer und seine beiden Mitgeschäftsführer ist der Erfolg nicht in den Kopf gestiegen. Sie haben das Unternehmen solide auf zwei Beine gestellt: Neben Rollrasen gibt es immer noch den Garten- und Landschaftsbau. Ein großartiges Gebäude mit Riesenwerbeschild gibt es auch nicht. Beim ersten Mal fahren viele Kunden einfach am Gelände vorbei. Aber fast alle kommen gerne wieder. Weil nicht nur das Qualität und der Service stimmen, sondern auch das Klima. Viele Mitarbeiter sind 20 Jahre und länger im Unternehmen tätig. Im Verkaufsraum zeugt ein Fußballtrikot von Borussia Mönchengladbach mit den Autogrammen der Spieler von einem zufriedenen Kunden. Dass die Borussen auf Rasen von Peiffer spielen, macht viele Willicher Fans im Betrieb besonders stolz.

 

Gebr. Peiffer GbR
Fonger 41
47877 Willich

Tel.: +49 (0)2154 - 955-150
Fax: +49 (0)2154 - 955-064

kontakt@peiffer-willich.de

www.peiffer-willich.de

 

Stand: November 2014