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Hydro: Das magische Dreieck der Aluminium-Industrie am Niederrhein

Die Bushaltestelle vor dem deutschen Hauptsitz in Grevenbroich heißt noch „VAW-Leichtmetall“. Der Name ist lange Geschichte, seit der norwegische Aluminiumkonzern Hydro 2002 das führende deutsche Aluminiumunternehmen integriert hat. Doch jeder vor Ort kennt die Aluminiumwerke in Grevenbroich und Neuss – und viele wissen um deren Beinamen: das magische Dreieck des Aluminiums. Trotzdem ist nur wenigen bewusst, dass es sich mit diesem Dreiklang aus Hütte, Walzwerk und Veredlung um den größten Aluminium-Cluster der Welt handelt. Die Zusammenarbeit der drei Standorte Rheinwerk, Alunorf und Grevenbroich ist bis heute eine Blaupause für die Chinesen, die diese Kooperation aus Verhütten, Walzen, Veredeln und Recyceln kopiert haben.

Knapp 5000 direkte Mitarbeiter sind in diesen drei Aluminium-Betrieben beschäftigt: 2000 in Grevenbroich, 2200 in Norf und 600 beim Rheinwerk. Alunorf produziert 1,5 Millionen Tonnen im Jahr, das Grevenbroicher Werk mehr als 600.000 Tonnen im Jahr. Und das Rheinwerk? Es musste fast vier Jahre Notbetrieb überstehen, dann engagierte sich Konzernvorstand Oliver Bell dafür, diesen Standort als integralen Bestandteil des Aluminium-Dreiecks auch organisatorisch in seine Sparte Rolled Products, das Walzgeschäft der Hydro, einzugliedern und den Hüttenbetrieb auf eine Zweidrittelauslastung von 150.000 Tonnen im Jahr hochzufahren;  im Vertrauen darauf, dass dazu auch die Politik ihr Versprechen hält, für überlebensfähige Strompreise zu sorgen.

Wären diese Werke nicht durch die besondere Ausgleichsregelung bei der Umlageförderung für  Erneuerbare Energien entlastet – „dann müssten sie direkt schließen“, versichert Oliver Bell, Executive Vice President von Norsk Hydro. Der ehemalige VAW-Manager ist der erste Deutsche im Vorstand des Hydro-Konzerns und für die deutschen Unternehmensaktivitäten verantwortlich. Wenn Brüssel die Ausnahmeregelung für die EEG kippt, sind deutschlandweit 830.000 Jobs gefährdet. Oliver Bell kennt die Zahlen, weil er seit diesem Jahr auch Präsident der Wirtschaftsvereinigung Metalle ist. Außerdem leitet er die Initiative „Metalle pro Klima“, die erste deutsche industriell-konsequente Klimaschutzinitiative.

Das magische Dreieck der Aufgabenteilung und Zusammenarbeit in unmittelbarer Nachbarschaft hat sich durch die Zeiten bewährt. Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass am Niederrhein und nicht im Ruhrgebiet oder an der Küste dieser Aluminium-Standort entstand? Der Grund ist die Braunkohle. In Grevenbroich wird seit Jahrzehnten gleich neben dem Tagebau mit der Braunkohle in den Kraftwerken Strom produziert, so viel, dass die Betreiber überlegten, was man mit der Energie Sinnvolles machen könne. Also siedelte sich gleich daneben Industrie an wie etwa Chemische Werke oder Aluminium-Produzenten, die sehr energieintensive Werke sind. Der Standort Grevenbroich begann als – längst stillgelegte – Hütte, seit 1922 aber entwickelte sich das Walzwerk zum großen Aktivposten und führenden Arbeitgeber. Die moderne Hütte dazu, das Rheinwerk, ging 1964 in Betrieb, Alunorf direkt nebenan 1967. Alle drei Werke wurden mehrmals erweitert und modernisiert und sind heute im Verbund des Hydro-Konzerns aktiv. Dabei ist Alunorf ein 50/50-Joint Venture Unternehmen mit der Novelis-Gruppe.

Die Aluminiumproduktion ist keine allein deutsche oder europäische Frage. Hydro steht in einem weltweiten Wettbewerb. Viele Standorte in anderen Teilen der Welt hätten weitaus schlechtere Umweltstandards als in Deutschland. Müssten die deutschen Produktionsstätten verlagert werden, sieht Bell nicht nur die Konsequenz einer drohenden Deindustrialisierung des Standortes Deutschland, sondern auch eine Schwächung der eigenen Aluminium-Verarbeitung.

Zum Beispiel in Grevenbroich. Es ist immerhin der weltgrößte Standort, wo extrem dünne Hochleistungsfolien gewalzt werden. Solche Folien verhindern etwa in Tetra Pak-Getränkekartons, dass Sauerstoff und Licht an die Lebensmittel gelangen. Sind die Walzbarren dafür bei 20 Tonnen Gewicht in Neuss noch 60 Zentimeter dick, werden sie in Grevenbroich in mehreren Gängen auf die notwendige Dicke für die jeweilige Anwendung gewalzt – bis hinunter auf 6/1000 Millimeter, etwa ein Achtel eines menschlichen Haares, das im Schnitt einen Durchmesser von 0,05 mm oder 50 Mikrometer hat.

Das Hydro-Werk Grevenbroich ist auch Weltmarktführer mit Aluminiumband für Offsetdruckplatten. Ungefähr jede dritte Zeitungsseite weltweit wird damit gedruckt. Verlässliche Top-Qualität, bis in die Mikrostruktur des Materials hinein, ist wesentlich für die Wettbewerbsstärke des Aluminiumdreiecks. Das Rheinwerk erzeugt ein noch reineres Aluminium als andere Hütten, und gleich drei spezialisierte Lithoband-Zentren in Grevenbroich liefern Druckplattenmaterial, das geradezu berühmt ist für Ebenmaß und Planheit – beides Vorbedingungen für einen präzisen Druck. Außerdem wird praktisch jede gebrauchte Druckplatte recycelt für ein neues Aluminiumprodukt.

Aluminium ist ein nicht nur vielseitiger, sondern auch unendlich nützlicher Werkstoff, gerade weil er sich exzellent recyceln lässt und dabei nur fünf Prozent der Energie benötigt, die die Neuproduktion erfordert. Darum investierte die Hydro am Niederrhein in zwei hochmoderne Großöfen zum Recycling gebrauchter Aluminiumprodukte und will immer mehr Metall für eine nächste Nutzung wiederverwerten. Das gilt auch für die Getränkedose: Beim weltweit meistrecycelten Verpackungsbehälter liegt dank Dosenpfand auch in Deutschland die Recycling-Quote bei 96 Prozent.

Ein wichtiges Wachstumsgeschäft ist für die Hydro der Leichtbau von Automobilen, insbesondere von effizienteren, aber bezahlbaren Karosserien. Aluminiumband vom Niederrhein hilft nahezu allen führenden Autokonzernen Europas, durch Leichtbau Gewicht einzusparen: So sinken mit geringerem Spritverbrauch die Betriebskosten und auch die Umweltbelastung. Ungleich teurer ist Carbon, kohlenstoffverstärkter Kunststoff. Den Hype darum, etwa im Flugzeugbau, sieht Bell eher wieder auf dem Rückzug. Denn Aluminium bietet klare Vorteile beim Recycling und verfügt zudem über deutlich bessere Werkstoffeigenschaften bei Reparaturen und Blitzgefahr.

Bei Verkehrsmitteln und Verpackungen, aber auch Dämmstoffen und Isoliermaterial hilft Aluminium Energie zu sparen und ermöglicht so – trotz der einmal energieintensiven Erzeugung – netto insgesamt die Vermeidung von 9,6 Tonnen CO2 je Tonne von Aluminiumwalzprodukten. Das Werk Grevenbroich veredelt seine Aluminiumprodukte auch in Oberflächenbehandlungen wie Lackierungen, Entfettungen und speziellen Wärmebehandlungen. Um in all diesen Verfahren weiterhin führend zu sein, betreibt Hydro einen großen Aufwand für Forschung und Entwicklung – vor allem in Bonn, wo 120 Mitarbeiter Walzprozesse und –produkte noch besser gestalten. Hydro arbeitet dafür in der Grundlagenforschung mit Wissenschaftlern der RWTH Aachen, aber auch von anderen Universitäten in NRW, zusammen. In der Folienfertigung war Hydro einst Pionier. Um sich die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, wird permanent investiert, vor allem in moderne Maschinen. Hydro plant für einen Zeitraum von 20 Jahren im Voraus am Standort. Bis heute hat Hydro insgesamt 800 Millionen Euro am Standort Niederrhein investiert, allein 30 bis 40 Millionen Euro im Jahr für das Werk Grevenbroich.   

Dass „das Werk“ seit fast 100 Jahren am Standort Grevenbroich existiert, hat zu einer engen Verbindung mit der Bevölkerung geführt. In vielen Familien haben mehrere Generationen bereits hier gearbeitet. Bei den Jubilarfeiern ist die Kantine immer überfüllt. Ganze Schützenzüge haben sich aus der Belegschaft gebildet. Demnächst wird im Werk auch eine Kinderbetreuung eröffnet; eine von vielen Aktionen der Hydro, so dass Mitarbeiter Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren können. Und so ist das „magische Aluminium-Dreieck“ keineswegs Zauberei, sondern das Ergebnis von vielen Jahrzehnten engagierter Zusammenarbeit – mit Wertschätzung und Wertschöpfung.

 

Hydro Aluminium Rolled Products GmbH
Aluminiumstraße 1
41515 Grevenbroich

Tel.: 02181 / 66 01

info.gv@hydro.com

www.hydro.com/deutschland
 

Stand: September 2013