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Kult aus Krefeld

In "Ein Herz und eine Krone" machte Hollywood den italienischen Vespa-Roller zum Leinwandstar. In der Liebes-Romanze aus dem Jahr 1953 kurvten Audrey Hepburn als ausgerissene Prinzessin und Gregory Peck als Journalist auf einer Vespa durch Rom. Der Roller, 1946 bei Piaggio in der Toskana entwickelt, wurde sehr schnell zum Verkaufsschlager. Der größte Vermarkter von Vespa-Teilen ist heute Niemann und Frey in Krefeld. Im neu gebauten Lager in Uerdingen, wo gleich nebenan bei Siemens ICE-Züge produziert werden, stehen große Mengen Zubehör- und Ersatzteile für Motorroller und Motorräder in den Regalen. Innerhalb eines Tages können sie nach Bestelleingang in ganz Deutschland, aber auch Frankreich, Belgien, Niederlande und Österreich ausgeliefert sein.

Begonnen hat der Spezialist als einfacher Fahrradhändler. Schon vor dem Krieg gründete Richard Niemann in Krefeld einen Fahrradhandel. Aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen, baute er den Zweiradhandel aus. Mit kleinen Motoren wurden die Rheinländer wieder mobil gemacht. So verkaufte Niemann auch Rex-Hilfsmotoren oder kleine Mopeds. Sohn Richard Niemann junior übernahm 1964 den Betrieb, den er auch als Vespa-Handelsvertretung ausbaute. 1988 kaufte Gerd Frey die Firma und nannte sie in Niemann + Frey GmbH um. Der heutige 57jährige Alleininhaber kam aus der Autobranche, Motorräder sind sein Hobby. Über sein Motorrad-Geschäft in Neuss kannte Frey die Firma Niemann als Lieferanten. Anfang 1990 zog Frey selber nach Krefeld. Der Betrieb auf der Leyentalstraße lag mitten in der Innenstadt. 1995 zog Frey mit dem Betrieb nach Oppum, das Geschäft wuchs beständig, das Gebäude mit. Schnell wurden aus dreieinhalb Mitarbeitern 70. 2010 wurde der Neubau in der Adolf-Dembach-Straße in Uerdingen bezogen. Die Halle bietet auf drei Etagen 5000 Quadratmeter Lagerfläche. In Rheinberg im Kreis Wesel hätte der Quadratmeter weit weniger gekostet, aber Frey entschied sich für Krefeld und damit für seine Mitarbeiter.

Heute ist er wohl einer der größten Fachgroßhändler für Motorrad-Zubehör in Europa. Längst ist er über die Rhein-Ruhr-Region hinausgewachsen. Doch Gerd Frey bekennt sich zum Standort Krefeld. In der Malocherzeit der 60er Jahre wies die Region eine starke Kaufkraft aus. Auch heute wohnen viele Menschen im Umkreis von Krefeld. Doch mit Internet und Über-Nacht-Lieferservice zählt heute nicht mehr die unmittelbare Nachbarschaft. Was für Frey zählt, ist der "Riesenvorteil" des nahen Düsseldorfer Flughafens. Von Krefeld braucht er nur eine Viertelstunde nach Lohausen. Er muss oft nach Pisa fliegen, um in die Vespa-Heimat in der Toskana zu kommen. Aber auch von Weeze geht's nach Bergamo oder Venedig.

Was ist sein Erfolgsgeheimnis? Ein Fachjournalist beschrieb die Firma mal als "vom Service getrieben". Frey hat 60000 Teile auf Lager. Und die müssen richtig und schnell zum Kunden. Was muss man bieten, was die Konkurrenz nicht kann? Auf diese Frage hat Frey eine einfache Antwort: "Wir sind schneller und zuverlässiger." Seine Mitarbeiter sollen besonders freundlich und serviceorientiert sein, dazu besitzen sie die notwendige Fachkenntnis und sind mit Freude und Spaß zielstrebig an der Sache. Dazu kommt der Faktor Technik. Schon sehr früh wurde für die Händler viel Geld in IT-Kommunikation investiert. Heute gibt es das Internet mit seinen Suchmaschinen. So kommen heute 76 Prozent der Aufträge übers Internet, 94 bis 97 Prozent dieser Bestellungen werden schon über Nacht ausgeliefert. Dafür werden variable Kräfte eingesetzt. Auch die Produzenten haben keine Auslieferungslager mehr. Umso wichtiger sind Großhändler wie Niemann + Frey, der mittlerweile mit Luftfracht bis nach Marseille und Korsika liefert. Früher wurde per Formular bestellt, die Päckchen-Lieferung dauerte dann drei bis vier Tage. Heute sorgt eine ganze Flotte schneller Sprinter für die Auslieferung der Teile über Nacht.

Das Vespa-Geschäft macht immer noch 50 Prozent der Umsätze aus. Der Rollermarkt hat inzwischen viele Wettbewerber bekommen. Inzwischen mischen die Japaner, Koreaner und Chinesen kräftig mit. Um den Zweiradmarkt macht sich Gerd Frey keine Sorgen. War die Vespa als preisgünstige Fortbewegung erfunden worden, so ist der Roller oder neudeutsch Scooter bis heute nie aus der Mode gekommen. Je mehr die Metropolen im Verkehrsinfarkt versinken, desto interessanter werden die flotten Roller. London und Paris sind ebenso Eldorados für Roller wie Madrid und Barcelona. Die Rollerfahrer haben keine Lust auf Stauorgien und finden überall einen Parkplatz. Auch Geschäftsleute sind dort inzwischen auf zwei Rädern schnell und bequem unterwegs. Das klingt für Gerd Frey nach weiterem Wachstum: "Das Geschäft richtet sich eben nicht an der eigenen Lebensplanung aus." Gut, dass es ihm auf jeden Fall Freude macht. So wie es immer mehr Menschen Spaß macht, eine Vespa zu fahren.

 

Niemann & Frey GmbH
Adolf-Dembach-Str. 24
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