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Ein ganz besonderer Saft

Wer den Begriff „Saftladen“ als Schimpfwort auffasst, kann noch nie am Niederrhein gewesen sein, genauer gesagt: im beschaulichen Hamminkeln. Hierhin, ins Rechtsrheinische, führt der Weg über die Niederrheinbrücke. Zunächst passiert der Besucher dann die Kreisstadt Wesel und gelangt schließlich, einige Kilometer weiter nordwärts, in die Stadt nahe der holländischen Grenze. Hier legte vor fast genau einem Jahrhundert, im Kriegsjahr 1917, Wilhelm van Nahmen den Grundstein für eines der ungewöhnlichsten Lebensmittelunternehmen Deutschlands. In seiner Krautfabrik stellte der Niederrheiner Rübenzucker und einen Butterersatz her. Auch Apfelkraut kam aus seiner kleinen Fabrik. Heute leitet sein Urenkel Peter van Nahmen das Unternehmen. Und noch immer geht es darum, aus den Früchten der Natur das Beste zu machen. Man könnte sagen: In Hamminkeln steht der vielleicht exklusivste Saftladen der Welt. Längst ist die Privatkelterei van Nahmen Feinschmeckern in ganz Deutschland ein Begriff. Auf ihrer Referenzliste finden sich diverse Sterne-Restaurants, so etwa das „Vendôme“ in Bergisch-Gladbach oder das „Aqua“ in Wolfsburg. Doch auch im gut sortierten Einzelhandel sind die edlen Flaschen zu finden. Typische Gourmetprodukte aus dem Hause van Nahmen sind beispielsweise der Jonagold-Bio-Apfelsaft, der Haschberg-Holunderbeersaft (ebenfalls bio) oder die Konstantinopeler Apfelquitte. „Die Quitte ist mein Lieblingsprodukt“, sagt Chef Peter van Nahmen. „Sie hat ein Aromenspektrum - das ist einfach unglaublich.“

Es kommt nicht von ungefähr, dass die van Nahmens ihre Spitzensäfte mit gutem Wein vergleichen. Peter van Nahmen hatte jahrelang bei einem großen Weinimporteur gearbeitet, ehe er zu seinem Vater Rainer ins Familienunternehmen kam. Romana Echensperger, eine renommierte Sommelière, hat zu jedem sortenreinen Saft eine Expertise verfasst. „Der Saft zeigt im Glas eine brillante und dichte rubinrote Farbe. In der Nase erkennt man ein vielschichtiges Bukett von saftig-reifen Sauerkirschen, Marzipan und einem Hauch von mediterranen Kräutern, Zartbitterschokolade und schwarzem Pfeffer“, heißt es beispielsweise über das „Morellenfeuer“. Trinktemperatur: 14 bis 16 Grad. Speisenempfehlungen: unter anderem Rind, Lamm, Wild, Ente und Gans. Ein ganz besonderer Saft eben. Rund 20 dieser Art gibt es insgesamt. Als ein Vertreter des Handelsunternehmens Manufaktum vor einigen Jahren fragte, ob die Hamminkelner nicht Rote Sternrenette zum Trinken hätten, war die Idee der Sortenreinheit im Regal geboren.

„Die Leidenschaft für Genuss ist es, die uns voranbringt und unsere Produkte einzigartig macht“, beschreibt der Geschäftsführer das Geheimnis des Erfolgs. Und: „Die Qualität gibt die Menge vor, nicht umgekehrt.“ Von entscheidender Bedeutung sei die Herkunft der Früchte und Beeren. Ob aus dem Badischen oder vom Niederrhein - das Familienunternehmen setzt auf kleine, aber feine Lieferanten. Dabei spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle. „Anfang der 90er-Jahre hat mein Vater mit dem Naturschutzbund, kurz Nabu, ein Konzept zum Schutz der Streuobstwiesen entwickelt“, erzählt Peter van Nahmen. Bis heute zahle man an Partner mit solchen Flächen, zum Beispiel im Kreis Unna oder im Kreis Viersen, 50 bis 60 Prozent mehr für die Ware. „Das Schöne daran ist, dass der Endverbraucher den Naturschutz gerne mitbezahlt“, weiß der Unternehmer. „Hier treffen sich Ökologie und Ökonomie.“

Übrigens: van Nahmen kann nicht nur edel, sondern auch hip. Die neuen Schorlen finden sicher auch in Kreuzberg in Berlin oder im Hamburger Schanzenviertel ihre Fans. Die Unternehmerfamilie aber bleibt dem Niederrhein treu, beruflich wie privat. Denn natürlich haben auch Spree und Alster ihren Reiz, aber: „Ich radle sehr gerne am Rhein entlang, vor allem im Bereich um Kalkar-Niedermörmter“, erzählt Peter van Nahmen.

Obstkelterei van Nahmen GmbH & Co. KG
Diersfordter Straße 27
46499 Hamminkeln

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