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Viel Neues aus der Altbier-Brauerei

Ländlich, aber pfiffig. So sieht sich die Bolten-Brauerei heute. Sie ist immer noch die älteste Altbierbrauerei der Welt, aber hat sich völlig neu aufgestellt. Am 9. Juni 2005 übernahm Michael Hollmann, früherer Vorstandschef von Brau und Brunnen, das Unternehmen in Korschenbroich und hat es gründlich umgekrempelt.

Mit Erfolg: 2005 kam Bolten Landbier, ein helles naturtrübes Obergäriges, auf den Markt, 2007 folgte das zusammen mit dem bekannten Fernsehkoch Horst Lichter entwickelte Lichter's Lecker Bierchen, und 2010 ist ein Helles in der 0,33 l-Bügelflasche hinzugekommen. Fast noch mehr freut Hollmann der Erfolg auf einem anderen Spielfeld: Seit dem 1. Juli 2010 ist Bolten Stadionpartner und offizieller Altbierlieferant im Borussia-Park. Borussia Mönchengladbach hat mit dem "rheinischen Traditionsunternehmen" einen Vierjahresvertrag abgeschlossen.

Wer die Bolten-Brauerei im Internet besucht, wird von einem Hahnenschrei begrüßt. Bolten versteht sich als eine Landbierbrauerei, in der handwerkliche Braukunst geleistet wird, die für Frische und Qualität in der Region steht. Wer eine Bolten-Flasche oder ein -Bierglas in der Hand hält, wird dagegen auf einen Löwen im Logo stoßen. Das hat mit der Geschichte der Löwenbrauerei Korschenbroich auf dem Kraushof zu tun. Michael Hollmann hat in alten Akten sogar einen Schriftverkehr mit der gleichnamigen Brauerei aus München gefunden. Die Münchner können ihre Geschichte "nur" bis 1383 zurückverfolgen, die Korschenbroicher sogar bis 1266. Nachweislich erhielt Heinrich der Brauer damals von der Herrschaft Myllendonk das Recht, auf dem Kraushof Bier zu brauen. Bis heute ist der Kraushof Sitz der Brauerei. 1519 wird erstmalig ein Mitglied der Familie Bolten als Inhaber der Brauerei erwähnt, die dem Bier bis heute ihren Namen gaben.

Der Name und der mehrmals um- und wiederaufgebaute Hof sind ebenso geblieben wie das Bekenntnis zum Altbier – auch wenn inzwischen auch Weizen und helle Biere gebraut werden. Michael Hollmann glaubt an die Zukunft des Altbieres, ebenso wie sein Geschäftspartner Dr. Paul Bösken-Diebels, der im Dezember 2006 die Hälfte der Firmenanteile übernahm. Der frühere Diebels-Chef sieht für Bolten gute Chancen am Markt: "Regionale Brauereien, die den Markt pflegen und die Nähe zum Kunden wahren, haben auch künftig vielfältige Chancen." Bolten sieht sich heute zwischen den großen Altbier-Marken und den Düsseldorfer Hausbrauereien angesiedelt. Überhaupt nicht im Widerspruch dazu sieht Hollmann das neue Helle. Seine Idee war, ein junges Bier zu brauen, was wirklich schmeckt. Es ist ein obergäriges Bier Pilsener Brauart, herzhaft und vollmundig. Bei diesem neuen Bier hatten nicht Food-Designer ihre Hände im Spiel, sondern ausschließlich Hollmann und die Brauer vom Kraushof. Der Erfolg gibt ihnen recht. Alle Sorten legen zu. In Zeiten der Globalisierung setzt Bolten auf Frische aus der Region. Am liebsten würde man den Hopfen und die Braugerste auch direkt aus der Nachbarschaft beziehen.

Doch zuerst wird der Kraushof – wieder einmal – umgebaut. Bereits fertig ist der neue Brauereiladen "Bolten Kontor" mit allen Bolten Bieren, Präsentkörben und demnächst einem Weinhandel. Zu empfehlen sind Altbiersalami und –senf. Im ersten Stock lädt ein gemütlicher Raum zu Familienfeiern ein. Anders als die Familie Bolten, wohnt Hollmann nicht auf dem Kraushof, sondern mit seiner Familie in Mönchengladbach. 1952 in Wuppertal geboren, studierte er in Kiel Jura. In den Semesterferien jobbte er bei Astra in Hamburg. In Kiel hatte er auch eine eigene Kneipe, doch dann stieg er richtig in den Vertrieb der Bavaria St. Pauli Brauerei hinter der Reeperbahn ein. An den Niederrhein kam er schon mal für acht Jahre als Geschäftsführer der Hannen-Brauerei. Dann wurde er Vorstandsvorsitzender der Brau- und Brunnen AG Dortmund – bis sie von Radeberger übernommen wurde. Mit der kleinen, aber eigenen Bolten-Brauerei ist er überaus glücklich und steckt voller Tatendrang. Er ist am Niederrhein endgültig "angekommen" und freut sich, wenn seine Ideen und seine Art, ein Bier zu brauen, auch bei anderen ankommen. Und wenn wir aus dem Kraushof demnächst nicht nur den Hahnenschrei, sondern auch das Wiehern von Pferden hören, dann hat Hollmann das alte Braurei-Pferdegepann reaktiviert. Ein junges Bier nach alter Art transportieren? Das macht Jung und Alt gleichermaßen Spaß.

 

Privatbrauerei Bolten GmbH & Co. KG
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