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Teepack – eine Maschine, die die Welt verändert hat

Wer irgendwo in der Welt Tee produziert und in Teebeutel verpacken will, kommt irgendwann nach Büderich. Denn dort in Meerbusch an der Stadtgrenze und in Sichtweite zum Schwesternunternehmen Teekanne in Düsseldorf-Heerdt ist der Sitz des Maschinenbauers Teepack GmbH, unbestrittener Weltmarktführer für das Nischenprodukt Teeverpackungsmaschinen. Und wer eine dieser Maschinen, deren Mechanik präzise und schnell wie ein Schweizer Uhrwerk läuft, in Betrieb erlebt hat, nimmt danach einen Teebeutel mit mehr Hochachtung in die Tasse. Die heute produzierten Maschinen weisen eine Leistung von 450 Teebeuteln in der Minute auf. Das Filterpapier auf der Rolle wird geschnitten, gefaltet, gefüllt, geformt und verschlossen. Mit einem Knoten wird das Fädchen mit dem Schild angeknotet – früher getackert. Schließlich werden die Teebeutel in eine Faltschachtel verfüllt und diese wiederum in Folie eingeschweißt. Das alles leistet eine einzige Maschine, die nicht umsonst „Perfekta Universal“ heißt.

Die Qualität der Maschine ist legendär. Einige der Maschinen aus den 1950er Jahren laufen immer noch. Doch die Ingenieure von Teepack haben ihre Maschinen ständig optimiert, der höhere Wirkungsgrad ist das Verkaufsargument. Trotzdem ist den meisten, die am Teepack-Werk an der Düsseldorfer Straße vorbeifahren, nicht bewusst, was für ein Hidden Champion sich hinter dieser Adresse verbirgt. Umso bekannter ist Teepack im weltweiten Teemarkt. Wie ein klassischer deutscher Maschinenbauer setzt auch Teepack auf Qualität und Leistung. Doch hinzukommen die Besonderheiten des Teemarktes. Dass Teepack ein Schwesterunternehmen von Teekanne ist, stört die Konkurrenz nicht. Im Gegenteil, die Kunden wissen, dass Teepack Ahnung vom Teemarkt hat und alles zuerst bei Teekanne ausprobiert wird. Viele Teehersteller sind Mittelständler. Mit ihnen pflegt Teepack eine lebenslange Partnerschaft. Bereits in der Planungsphase kann Teepack den Betrieb unterstützen.

Doch die Geschichte des Unternehmens und seiner Verpackungsmaschinen lässt sich nicht losgelöst von der Erfindung des Teebeutels erzählen. In Dresden entstand 1882 das Geschäft für Japan- und Chinawaren sowie Tee. Die beiden Geschäftsführer Rudolf Anders und Eugen Nisslé hatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Vision, die Zubereitung einer Tasse Tee einfach und praktisch zu machen. Sie ließen Tee in kleine Mullbeutel füllen und mit einem Faden versehen. Diese Beutel, die wie Miniatur-Rokoko-Täschchen aussahen, nannten sie „Pompadour“ – nach der Mätresse Ludwig XV.. Im ersten Weltkrieg erhielten auch die Soldaten an der Front auf Wunsch des Kaisers Teebeutel fürs Marschgepäck. In diesen „Teebomben“ genannten Aufgussbeutel wurde gemahlener Tee mit Zucker als Energielieferant vermischt. Als in den 1920er Jahren in den USA einfache Teebeutel aus Filterpapier auftauchten, kam Bewegung in den Teemarkt. In dieser Umbruchzeit fing der Schlosser Adolf Rambold bei Teekanne an. Er erwies sich als ein genialer Erfinder und Tüftler. Sein erstes Meisterstück wurde eine Pompadour-Maschine, die 35 Teesäckchen pro Minute vollautomatisch füllte und verpackte. Das Nachfolgemodell Reliance schaffte bereits 80 Beutel aus Spezialpapier pro Minute.

Mit der Bombardierung Dresdens zu Ende des Zweiten Weltkrieges verlor das Unternehmen Teekanne alles. Die Eigentümerfamilien flohen aus der zerstörten Stadt in den Westen. In Viersen am Firmensitz von Kaiser’s Kaffee fanden die Teefreunde eine erste neue Bleibe, bis sie 1948 in Büderich Teepack als eigenständiges Unternehmen gründeten und 1954 ein neues Teewerk im benachbarten Düsseldorf-Heerdt bauten. Möglich machten das Teepackmaschinen, die man an den amerikanischen Marktführer Lipton lieferte. So kamen die Inhaber, die im Krieg alles verloren hatten, wieder an Kapital, ihr Unternehmen neu aufzubauen. 1949 kam die von Rambold entwickelte Teepackmaschine Constanta auf den Markt. Sie faltete einen 15 cm langen Papierstreifen zu einem Schlauch und knickte ihn in der Mitte. Wenn jetzt Tee auf beiden Seiten gefüllt wird, entsteht ein Doppelkammerbeutel, bei dem das Teepulver von vier Seiten umflossen wird. Diese geniale Idee ist in den meisten Ländern bis heute Weltstandard. Aus Geschmacksgründen, aber auch aus lebensmitteltechnischen Vorschriften, darf ein Teebeutel nicht geklebt werden. Er muss durchlässig sein, aber reißfest bleiben. Für Filter wählte man ein Gewebe aus Fasern der Abaca-Pflanze. Das Material ist zu hundert Prozent natürlich abbaubar. Es bewährt sich bis heute millionenfach.

Die Teepackmaschine besteht heute aus rund 20.000 Teilen, etwa anderthalb mal so viel wie beim Mercedes-Sprinter. Mit den Patenten hatte Teepack 25 Jahre lang quasi ein Monopol. Wer eine Maschine zum Verpacken von Tee brauchte, musste nach Büderich kommen. Aber auch heute dominiert Teepack von Meerbusch aus den Weltmarkt. In den vergangenen fünf Jahren wurde die Belegschaft von 180 auf 220 Mitarbeiter ausgeweitet. Im Jahr entstehen in den Hallen von Teepack rund 50 bis 60 Maschinen. Weltweit sind rund 2500 Maschinen von Teepack im Einsatz. Die Fertigungstiefe vor Ort liegt bei 90 bis 95 Prozent, auch die Steuerung wird durch Teepack-Mitarbeiter programmiert. Die Mitarbeiter mit einem Durchschnittsalter von 40 plus sind eng mit dem Unternehmen verbunden. In der Firmengeschichte sind Vater-Sohn-Traditionen keine Seltenheit. Im Unternehmen werden die meisten Mitarbeiter von der Pike auf selber ausgebildet. Und sie brauchen sich keine Sorge um die Zukunft zu machen, ist sich Geschäftsführer Reinhold Schlensok sicher. Denn der Teemarkt wächst weltweit – und damit die Nachfrage nach Teepackmaschinen. Besonders der Markt der Kräuter- und Früchtetees hat Zuwachsraten von 5 bis 7 Prozent. In Europa und den USA legt eine älter werdende Gesellschaft immer mehr Wert auf Gesundheit. Aber auch die Märkte in Osteuropa und Russland sowie im Nahen und Mittleren Osten boomen, die modernen Lebensgewohnten lassen immer mehr Konsumenten vom losen Tee auf Teebeutel umsteigen.

 

Stand: Mai 2015

 

 

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