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Das erste Hemd

Das Hemd aus dem Hause van Laack wird ebenso von hochrangingen Politikern, in den Vorstandsetagen der Dax-Konzerne sowie in Königshäusern geschätzt. Doch mit Namen wird bei van Laack nicht geworben. Welche Prominente van Laack-Hemden tragen, erfährt man eher aus den Medien – oder kann es auf Fotos sehen. Bei weißen Hemden muss man gegebenenfalls eine Lupe hinzunehmen, um auf Abbildungen den charakteristischen Drei-Loch-Knopf zu finden. Gesucht war ein Knopf, der nicht abfallen kann. Gefunden wurde eine Methode, dies zu gewährleisten: Die drei Garnstile werden mit einem Nylonfaden ummantelt, der Nylonfaden dann erhitzt, wobei er mit dem Garn verschmilzt.

"The Art of Fine Shirt Making" ist Tradition und Modernität zugleich. Heinrich van Laack gründete 1881 in Berlin das Unternehmen. Seine Idee, das beste Hemd anzubieten, bestimmt bis heute die Firmenphilosophie. Ließen sich die Herren der feinen Gesellschaft ihre Hemden beim Schneider machen, so wollte van Laack von Anfang an diese anspruchsvolle Klientel. 130 Jahre später sind Schneider keine wahre Konkurrenz für van Laack mehr, weil der Handwerker nicht mit Technologie und Stoffeinkauf des Hemdenproduzenten mithalten kann.

Die Berliner Erfolgsgeschichte van Laacks endet im Zweiten Weltkrieg. Die Fabrik am Prenzlauer Berg wird mehrfach ausgebombt. Der Besitzer Alfons Schnoeckel, ein entfernter Verwandter van Laacks, wird nach Kriegsende von den Sowjets enteignet. Er zieht nach Mönchengladbach um und lernt dort Heinrich Hoffmann kennen, der in der Textilproduktion tätig ist. Hoffmann kauft das Unternehmen und baut es in seinen Mönchengladbacher Betrieben neu auf. Rolf Hoffmann, nach dem Krieg aus Naumburg/Sachsen-Anhalt mit seiner Familie zu Verwandten nach Mönchengladbach geflohen, begann schon während seiner Schulzeit im Familienunternehmen van Laack mitzuarbeiten. 1970 übernimmt er die Firmenleitung. Seine Frau Erika, eine Kunsthistorikerin, erfand 1972 die van-laack-Damenkollektion. Rolf und Erika Hoffmann bauten eine der weltweit wichtigsten Sammlungen moderner Kunst auf. Sie ist heute in Berlin öffentlich zugänglich. Andy Warhol porträtierte die Hoffmanns 1980 und gestaltete ihre Hemden für eine Modenschau in Manhattan.

1986 verkauft Hoffmann im Alter von 50 Jahren die Firma an die Management-Holding Delton AG für Beteiligungen, Alleinaktionär ist Stefan Quandt. Wenig später entsteht van Laack durch Modefirmen wie Boss und Joop erstmals eine Konkurrenz im Hemdensegment. 16 Jahre später, 2002, erwirbt Christian von Daniels das Unternehmen – und bringt es wieder auf Erfolgskurs. Er verjüngte die Marke und verdoppelte den Umsatz. Der Sohn eines Landwirtes in Ostwestfalen war schon als Student der Betriebswirtschaft in Münster Unternehmer geworden. Mit 5000 Mark Startkapital gründete er eine Firma, die in Hongkong gefertigte Maßhemden an den Mann brachte. Die von Daniels GmbH in Frechen bei Köln wurde Lizenznehmer von Burberry und Daks. Als 2002 den Vertrag mit Burberry auslief, kam der Verkauf von van Laack gerade richtig. Das Unternehmen blieb in Mönchengladbach, auch der Neubau der Firmenzentrale 2005 am neuen Fußballstadion bestätigte den Standort auf Dauer. Auch wenn sich das Unternehmen völlig neu erfand, setzte es auf das Know-how der 150 übernommenen Mitarbeiter und ihre Bodenständigkeit.

Auch heute in wirtschaftlich schwierigen Zeiten geht es van Laack gut, die zwischen 100 und 200 Euro teuren Hemden sind überaus gefragt. Heute hat van Laack keine direkten Konkurrenten. Andere Hersteller bieten weit geringere Stückzahlen oder wenden sich an eine andere Klientel. Von Daniels will nicht billiger werden, sondern mehr Qualität fürs Geld bieten. Ein van Laack-Hemd wird in 100 Prozessminuten erstellt, doppelt so viel wie sonst in der Branche üblich. Die gut gemachte Qualität ist das Eine, hinzukommen der besondere Schnitt und beste Stoffe und Garne. Jedes neue Hemd wird im Hause probegetragen, mit Flecken getestet, gewaschen und gebügelt. Christian von Daniels selber trägt immer eines seiner Hemden. Zu Hause hat er "nur" rund 20 bis 30 Hemden in Schrank. Er wechselt lieber zu neuen Modellen, um die Dynamik seines Unternehmens auch nach außen zu zeigen. Er selber, der sich selber als Autodidakt bezeichnet, ist der Kopf des Unternehmens, unterstützt von einem hochkreativen und motivierten Team. Die neue Firmenzentrale des Kölner Architekten Kaspar Kraemer ist gebaute Transparenz. Von Daniels arbeitet in einem gläsernen Büro im Erdgeschoss, gleich neben dem Haupteingang.

Produziert werden die Hemden in eigenen Fabriken in Tunesien, Vietnam und Indonesien. Rund 60 Prozent aller Hemden werden exportiert, seit Jahren mit viel Erfolg auch ins konsumfreudige Russland und zunehmend nach Asien. International ist die Marke gut bekannt. Der Name klingt in vielen Ohren eher holländisch, der deutsche Ursprung wird als Qualitätsorientierung hochgeschätzt. Und der Erfolg ist ungebrochen. Christian von Daniels beobachtet, wie Handys und Computer immer günstiger werden. Nur das direkt am Körper getragene Oberhemd ist dem Mann geblieben, um Stil und Erfolg zu unterstreichen.

 

Van Laack GmbH
Hennes-Weisweiler-Allee 25
41179 Mönchengladbach

Tel.: 02161 357 - 0
Fax: 02161 357 - 389

www.vanlaack.com

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